Sie brach kurz ab, erstarrend unter dem eisig spöttischen Blick, der sie aus Maries grauen Augen traf.
„Ich finde Dich riesig überspannt, liebe Mone,“ sagte sie gemessen, „und Deine Ansichten sind unpassend. So... und jetzt habe ich Briefe zu schreiben.“
Ohne die Cousine noch eines Blickes zu würdigen, setzte sie sich an den Schreibtisch und begann einen Briefbogen mit ihrer prätentiös schönen Schrift zu füllen.
Monika ging in ihr Zimmer. Das unangenehme Gefühl, wieder einmal zu vertrauensselig gewesen zu sein, sich bloßgestellt zu haben, bedrückte sie.
Betrübt kauerte sie sich in einen der blauen Sessel und begann an einem Stückchen Johannisbrot zu kauen, das sie zu ihrer Ueberraschung in ihrer Tasche entdeckt hatte.
Gewiß hatte ihr Karl damit eine Ueberraschung bereiten wollen, Karl, ihr zehnjähriger Lieblingsbruder.
Aber der Genuß war bald zu Ende, das Johannisbrot aufgeknabbert, und nun saß sie da und langweilte sich jämmerlich. Die Uhr zeigte auf drei — noch eine ganze Stunde Zeit bis zum Nachmittagskaffee.
In plötzlichem Entschluß stülpte sie die Pelzmütze auf, zog den Mantel an und fort ging’s durch den verschneiten Park auf wohlbekannten Wegen ins Dorf.
Ihr Weg führte zur kleinsten Hütte, einer Bauernkate, die gar elend, förmlich zusammengekauert unter der dichten Schneedecke dastand.