Der Zaun war baufällig, die Fensterscheiben wie erblindet. Im Hof an der Pumpe, von der riesige Eiszapfen herabhingen, stand ein etwa dreijähriger, hübscher Junge und bemühte sich, den Pumpenschwengel in Gang zu setzen.
„Ist die Liese zu Haus?“ rief Monika ihn an.
Er sperrte verdutzt die blauen Augen und den roten Mund auf, ohne zu antworten. Da öffnete Monika ohne weiteres die Tür.
Eine stickige, dumpf-heiße Luft schlug ihr entgegen. Kaum hatte sie die Schwelle überschritten, als es drinnen aufschrie: „Monchen!“
Eine Frau stürzte auf sie zu und bedeckte ihre Hände mit Küssen. „Ach Gottchen, Monchen, bist Du’s denn wirklich, mein trautstes Monchen?“
Monika gab ihr einen herzhaften Kuß. „Liebe alte Liese, wie freue ich mich!“
Zärtlich betrachtete sie die vor ihr Stehende, die eine entschiedene Vorliebe für Farbenfreudigkeit an den Tag legte. Ein flammend rotes Umschlagetuch kreuzte sich über ihrer Brust, um sich auf dem Rücken zu einem großen Knoten zu vereinen. Unter dem Tuch kamen die Aermel einer unzweifelhaft unsauberen rosa Barchentjacke zum Vorschein, und eine dunkelblaue Küchenschürze deckte einen moosgrünen Rock. Und über dem schief zugehakten Kragen der rosa Jacke grüßte das liebe, verblühte Gesicht. Die dunkeln Augen, die sonst so dummpfiffig in die Welt sahen, standen voll Freudentränen.
„Monchen, daß ich Dir nochmal wiederseh’! — Und wie scheen Du geworden bist, eine bildscheene Marjell — ’n bißchen anders wie Holtzens ihre Marie!... Gottchen, das sah man ja schon gleich damals, wie ich als Amme bei Dir kam! — Und nachher — wie warst Du scheen und rund und dick — der reine Marzipan! Wie oft hab’ ich zu Deiner Mama gesagt: ‚Madamchen, die wird!‘ — Gegen Dir sah die Marie keesig aus, das kannst Du mir glauben. — Na, nu setz’ Dich bloß mal hin, mein trautstes Monchen. So ’ne Freude, nein, die Freude!“