„Liese, Du redst immer noch so viel wie früher. Und ausseh’n tust Du auch noch so. Sogar der Zopp ist noch derselbe!“

Lachend wies Monika auf den armdicken, fuchsigen Haarkranz, der über Lieses Scheitel thronte.

„Monchen, lach’ nich über meinen Zopp. Wenn er auch falsch is, scheen is er doch. Und mir hat er immer gekleidet, schon als ich noch ein scheenes, junges Mädchen war.“

„Liese — fang’ nicht mit Jugenderinnerungen an! Sonst sitze ich heute abend noch hier. Und Tante weiß gar nicht, daß ich weggerannt bin.“

„O weh, da wird’s was geben! Die gnädige Tante is ja so mächtig stolz, die spricht nie ein Sterbenswort mit uns arme Leute. Anders wie Deine Mamachen! Nu sage bloß, was macht denn die Mamachen, seit daß der liebe, gute, gnädige Herr Baron tot is?“

Liese wischte sich erschüttert mit dem Schürzenzipfel die Augen.

„So’n feiner, guter Herr kommt nich mehr wieder. Das Schwarzseidene, was er mir zur Hochzeit geschenkt hat!... Wären nich die Motten reingekommen, wäre es heut noch wie neu!... Ach Gottchen, so’n Herr wie der Herr Baron! Und hat so früh müssen versterben...“

„Nicht davon sprechen, Liese.“

„Und was macht denn nu die Mamachen? Gottchen, so ne junge Frau und mit vier Kinder... vier Waisenkinder...“