Heinzemännchen seufzte auf. War’s die Erleichterung darüber, daß die Verantwortung für Monika von jetzt ab auf stärkeren Schultern ruhen sollte als auf den seinen? —
Die Verlobungszeit sollte nur zwei Monate dauern. Frau von Birken fand das zwar geradezu ungebührlich kurz, aber es lag so gar kein Grund zum Warten vor. Im Gegenteil! Der Konsul erwartete bald seine Berufung auf einen überseeischen Posten und wollte selbstverständlich schon vorher heiraten.
Monikas Glück wurde oft ein wenig getrübt durch die Behandlung, die man ihr zu Hause angedeihen ließ. Ihre Mutter, mit der sie jetzt die ganze Zeit zusammen war — seit ihrer Verlobung besuchte sie die Kurse nicht mehr — war nicht im mindesten anders zu ihr als sonst. Keine Spur einer anderen Stimmung war zu merken, nichts von der zärtlichen Ergriffenheit, die andere Mütter haben, wenn ihre einzige Tochter so bald schon fürs Leben das Haus verläßt. Frau von Birken nörgelte sogar mehr als sonst an Monika herum, sogar bei Sachen, von denen es nicht recht ersichtlich war, warum sie sie tadelnswert fand.
Auch Alfred und Heinrich trugen jetzt, trotz der nahen, dauernden Trennung von ihrer Schwester, kein liebenswürdigeres Wesen ihr gegenüber zur Schau als sonst. Nur Karl, der ja auch sonst lieb und nett gewesen, entfaltete eine außergewöhnliche Hochachtung. Monika hatte ihm durch ihre Verlobung sehr imponiert, und er raubte jetzt mit doppelter Begeisterung aus Mamas oder Heinzemännchens Portemonnaie ein paar Nickel, um ihr irgendeine Kleinigkeit „zum Freuen“ zu kaufen.
Monikas Liebe zu ihrem Bräutigam war in dieser kurzen Zeit noch gewachsen, aber das hinderte sie nicht, genau zu wissen, daß sie kein volles Verständnis bei ihm fand. Wenn sie Gedanken äußerte, zu denen sie sich nach heißem Ringen durchgekämpft, tat er das oft ab mit einem lächelnden: „Du bist sehr jung, Liebling!“
Und an Sachen, die Monika in Entzücken versetzten, konnte er oft „beim besten Willen nichts finden“! Zum Beispiel an dem Gratulationsbrief von Monikas ehemaliger Amme. Was war denn an diesem albernen, ungeschickten Schriftstück, daß es bei Monika lachende und weinende Begeisterung hervorrief?
Die Liese schrieb:
„Liebstes Monchen,
da komme ich nun und wünsche Dir Gottes reichsten Segen auf alle Zeit, indem, daß ich es mir ja auch nicht von Dir denken konnte, daß Du, wie die olle Trübnersch gesagt hat, studieren sollst wie ein Doktor.
Weil das ja doch zu sündhaft und häßlich wär’ für ein Frauensmensch, wie denn auch das Sprichwort sagt: