Beim Mittagessen wirkte diese Ermahnung noch so nach, daß sie wie ein braves Schulkind dasaß.
Aber nach Tisch, als sich die Damen zum Nachmittagsschlaf zurückgezogen und Monika mit ihrem Bräutigam durch den Park ging, verjagte die goldene Aprilsonne bald ihre mühsam bewahrte Gemessenheit.
Konnte man denn ruhig bleiben, wenn die Blattknospen gar so ungestüm aus ihren Hüllen drängten, wenn die Hyazinthen auf den Frühbeeten mit tiefen Farben prangten wie Edelstein: rubinrot, diamantenweiß und blau wie Saphir! Ach — und alle diese Blütenglocken sandten süße Duftwogen in die herbe deutsche Luft. In den Aesten lärmten und lockten die Vögel, schrien, weil der Frühling da war und die Liebe...
Konnte man denn ruhig bleiben, wenn man einen so süßen, geliebten, schönen, guten Bräutigam hatte?
Das fragte Monika Georg von Wetterhelm.
Und er lachte zärtlich, immer aufs neue besiegt von ihrem wilden Charme. —
Die Vesperstunde vereinigte alle wieder um den runden Tisch im Eßzimmer.
Frau von Wetterhelm war Monika gegenüber aus ihrer ursprünglichen Freundlichkeit in eine gewisse Reserviertheit übergegangen. Sie fand: es war eigentlich eine fabelhafte Idee von Georg, ein so unbändiges, junges Ding heiraten zu wollen. Seiner sonstigen Wesensart war das so unähnlich, er war doch immer ein so tadellos vernünftiger Mensch gewesen.
„Georg hat mir nie Sorgen gemacht,“ erzählte sie an diesem Nachmittag. Ja, er war immer ein lieber, vernünftiger Sohn gewesen, körperlich und geistig gut beanlagt. Er war nie krank gewesen, er war immer unter den besten Schülern seiner Klasse. Alles in seinem Leben war wie am Schnürchen gegangen. Das Abiturium, die späteren Examina, die Ernennung zum Leutnant der Reserve, sein Avancement bei den Garde-Ulanen. Und seine Beamtenkarriere würde eine glänzende sein, das sagten alle, und sie hoffe nur, Monika würde ihren zukünftigen Gatten „voll und ganz zu würdigen verstehen“!