Keine Antwort. Seinen Schlaf schienen seine Geldsorgen einstweilen nicht zu stören. Wahrscheinlich hatte er gestern übertrieben wie schon so viele Male. Wahrscheinlich war der Hundertmarkschein ihm gar nicht sehr nötig, den sie in die Oeffnung ihres linken Handschuhs geschoben, um ihn Karl gleich beim Gutentagsagen geben zu können. Dieser Schein war ihm als Schmerzensgeld zugedacht für die abschlägige Antwort, die sie ihm gestern gegeben. Ihr Mann hatte sie vollkommen überzeugt. Es wäre gegen ihre Pflicht gewesen, Karls bodenlosem Leichtsinn noch Vorschub zu leisten.

„Karl — —!“

Noch immer keine Antwort.

Da drückte sie die Klinke auf und trat ein.

„Na, Du Faulpelz,“ sagte sie, geblendet von der goldenen Sonne, die durch das Fenster drang.

Näher trat sie zum Bett, trat näher... und sah...

Und faßte es nicht.

Das war doch... das war doch Blut, dieses dunkle Gerinnsel auf dem Boden, auf der Bettdecke, auf der nackten Brust da vor ihr...

Mit beiden Händen griff sie nach ihres Bruders Schultern... und fuhr im selben Augenblicke schaudernd zurück vor der Eiseskälte, die ihr entgegenströmte.

Das... das war doch nicht möglich! Er schlief doch bloß! Seine Augen waren friedlich geschlossen, die langen Wimpern lagen dunkel auf den Wangen. Der ein wenig geöffnete Mund, in dem die weißen Zähne schimmerten, hatte einen traurigen Ausdruck. Ja, ein wenig traurig sah er aus, ernster als sonst.