Dieses wunderschöne und traurige Gesicht über der blendend weißen Jünglingsbrust, diese großen Blutflecke allüberall, die wie dunkle Blumen waren ... das war doch ein Traum, ein Fiebertraum!

Das konnte doch nicht Wahrheit sein!

Ein Traum auch der Revolver, an den ihr Fuß jetzt stieß? Ein Traum die paar Blätter aus dem Schulheft, die da auf dem Nachttisch lagen, und auf denen Worte standen, über die Blut gespritzt war, Worte, die sie lesen wollte und nicht verstand, weil wilde Farbenspiele vor ihren Augen kreisten.

Sie las diese Blätter erst viel später. Drei Tage später, als all das Schreckliche vorbei war: der Augenblick, als der herbeigerufene Arzt statt aller Worte nur die Achseln gezuckt, — der Mutter Verzweiflungsausbrüche —, das Begräbnis. —

Und nun saß Monika allein in ihrem Toilettenzimmer und versuchte, jene Zeilen zu lesen. Da stand in ihres Bruders unbeholfener Handschrift, mit der man ihn so oft geneckt:

„Ich bitte Euch alle, mir zu verzeihn. Aber es ist besser, daß ich gehe. Ich sitze in soviel Schwierigkeiten und weiß nicht ein noch aus. Ihr müßt nicht glauben, daß ich etwas Schlechtes getan hätte. Ich habe mir gar nichts dabei gedacht, als mich neulich eine Freundin gebeten hat, einen Brillantring für sie zu kaufen. Ich sollte ja nur eine Unterschrift geben und Geld überhaupt nicht. Sie wollte es allein bezahlen.

Aber nun will mich der Diamantenhändler beim Staatsanwalt anzeigen, weil es ein Betrug gewesen wäre und die Lonny den Ring gleich weiter verkauft hat. Das geht doch aber nicht, daß ich ins Gefängnis komme.

Ich habe Euch ja so sehr um das Geld gebeten, aber Mama wollte ja nicht, und sie hatte wohl auch recht, denn sie als Mutter mußte doch etwas streng sein, und außerdem ist die Summe auch so hoch für sie. Ich dachte, Monika würde es mir geben. Die war meine einzige Hoffnung, sie ist immer meine liebe Schwester gewesen. O Gott, wie gerne habe ich ihr was mitgebracht zum Freuen. So konnte sich kein anderer freuen, wie Monika sich früher freute.

Mone ist immer so gut gewesen, bloß ihr Mann hat sie so hart und so kalt gemacht — —“