„Ja, das hast Du!“
Sie hatte sich erhoben, eine Zornesflamme sprühte aus ihren Augen.
„Ja, das hast Du. Und ich war dumm und charakterlos genug, um wieder eine von Deinen hartherzigen Ansichten zu der meinen zu machen! — — O Gott, der Junge, der arme, liebe Kerl!“
Sie schluchzte laut auf.
Und von neuem näherte sich ihr Georg: „Mein geliebter Schatz, beruhige Dich doch.“
Und von neuem wich sie seiner Berührung aus, und ihre Tränen versiegten in dem roten Zorn, der wieder in ihr emporloderte.
„Ich will mich nicht beruhigen. Ich will heulen vor Schmerz, wenn mir danach zumute ist! Ich will nicht alles in mir ersticken lassen unter dem Panzer, den Du Dir anlegst, dem Panzer von Sitte, Pflicht und Korrektheit. — — Da, lies, was mein Bruder geschrieben hat in seiner Todesstunde, und sein Herzblut ist drüberhin gespritzt: ‚Mone ist immer so gut gewesen, bloß ihr Mann hat sie so hart und so kalt gemacht — —‘“
„Und diese Worte eines unglücklichen, schlecht erzogenen und irregeleiteten jungen Menschen — —“
„Haben mir gezeigt, wie es um mich bestellt ist!“ unterbrach Monika. „Ja, jedes Wort davon ist wahr! Ich habe unserer Ehe zuliebe meine ganze Persönlichkeit geopfert. Alles Beste in mir habe ich gewaltsam unterdrückt, jeden Funken von Begeisterung, von Warmherzigkeit erstickt unter einer Eisdecke von Vorurteilen! — — Fort will ich, — fort von Dir, der Du alles, was in mir ursprünglich ist, tötest. Ich will wieder ich selbst sein!“