Allerdings war der Empfang, der ihr zuteil wurde, ganz dazu angetan, ihre Stimmung schleunigst zu dämpfen.
Marie empfing sie mit schadenfrohem Gesicht, und die Tante, die in ihrem Boudoir mit einer Stickerei beschäftigt war, trug in ihrem Gesichtsausdruck hoheitsvolle Würde zur Schau — ein böses Zeichen!
Sie sagte einstweilen gar nichts, sondern zog mit gewählt schönen Bewegungen den Faden durch die Arbeit. Man hörte in dem hübschen, eleganten Zimmer keinen anderen Laut, als den schweren Schlag der großen Uhr.
Monika konnte diese gespannte Stimmung nicht lange aushalten. Und so sagte sie, halb trotzig, halb flehend: „Tantchen, ich war bloß bei der Liese.“
Wenn sie geglaubt hatte, daß das ein Milderungsgrund sei, so sah sie sich getäuscht.
Tante wurde noch mehr als früher zürnende Gottheit, und dann ergoß sich über Monika eine Standpauke, die kein Ende zu finden schien. Erstens was die Unsitte betraf, allein auszugehen, zweitens der Mangel an Pünktlichkeit, drittens der unhygienische Leichtsinn, in eine Armeleutewohnung zu gehen, und so fort.
Immerhin schienen allmählich mildere Regungen in der Tante aufzudämmern, denn sie schloß mit den Worten: „Und nun klingle, daß man Dir den Kaffee nachserviert und den Napfkuchen. Du wirst einen schönen Hunger haben.“
Am Abend schrieb Monika ihrer Mutter einen Brief.