Sie sah jetzt erst, was es hieß, sich selbst um die Alltagssorgen bekümmern zu müssen. —

Mit einem Gefühl der Erleichterung begrüßte sie den Tag, an dem sie zu Bertha übersiedelte. Sie hatte in Berthas Wohnung angrenzende Zimmer bekommen, die bisher ein Kandidat der Medizin bewohnt.

Diese Zimmer trugen das ärmliche Gepräge, das dem ganzen Hause anhaftete, und Monika konnte sich eines kleinen Schauders nicht erwehren, als sie ihre Wohnung des näheren besichtigte.

Sie schwankte sogar einen Augenblick, ob sie nicht diese Baracke im Stiche lassen solle, um sich ein eleganteres Quartier zu nehmen. Sie hatte ja den Scheck da....

Aber sofort wies sie diesen Gedanken von sich. Nein, nein, sie wollte mit dem Zuschuß von Mama auskommen, so wenig das auch war.

Und Georg brauchte gar keine Angst zu haben, daß sein Name dadurch kompromittiert werde, wenn sie hier in so ärmlichen Verhältnissen hauste. Sie nannte sich mit ihrem Mädchennamen. Die Abneigung vor ihrer neuen Umgebung mußte eben heruntergewürgt werden! —

Sie fand sich nicht schnell in dieses neue Leben hinein, beim besten Willen nicht!

Sie fühlte sich nicht zu Hause in dieser häßlichen Wohnung.

Unzählige Male am Tage trat sie hinaus auf den kleinen Balkon vor ihrem Zimmer.

Zwischen ein paar altersgrauen Dächern erblickte man die grüne Limmat, Schwärme von schneeweißen Möwen schwirrten über den Strom; sie sah dem unruhigen Spiel ihrer Flügel zu, die sie bald hoch zum Himmel, bald tief hinab zum Wasser trugen.