Am häufigsten wurde sie von Edith von Gräbert besucht.
Diese hatte ein großes, mit Mißgunst gemischtes Interesse an Monika.
Für alles an ihr: ihre Art, sich zu bewegen, sich anzuziehen, zu lächeln....
Es war, als ob Edith von ihr zu lernen suche, sich nach ihrem Vorbild modele.
Entschieden war das ein verfehltes Beginnen, denn die beiden waren äußerlich so voneinander verschieden, daß alles, was zu Monikas Wesen paßte, für Edith deplaciert war.
Bildete doch schon Monikas weiches Gesicht einen entschiedenen Gegensatz zu Ediths herben Zügen, die übrigens durchaus ebenmäßig geformt waren.
Sie war überhaupt nicht ohne Reiz. Sie hatte eine große, gutgewachsene Figur.
Aber etwas unnennbar Hartes lag in all ihren Linien, sowohl in denen des Körpers wie in denen des Gesichts.
Ihre hellen Augen blickten klug und spöttisch unter blonden Brauen, ihre Gesichtsfarbe war von einer auffallenden Zartheit, und diese zarte, helle Haut begann schon ein wenig das Stigma des Welkens zu tragen. Die Augenlider waren schon etwas zerknittert, wie weiße Rosenblätter, die am Verblühen sind.