Er hatte sich erhoben. Man ging in eines der Gesellschaftszimmer. Blauseidene Vorhänge dämpften dort das Licht. Durch einen Spalt fiel eine schräge Sonnenbahn ins Zimmer, Millionen Sonnenstäubchen flirrten goldig.

Und dieser zuckende Flimmerschein beleuchtete Harry Lorks Züge, als er spielte. War es diese unruhige Beleuchtung, die sein Gesicht so verändert erscheinen ließ? Wo war nun die träumerische Weichheit, die sonst in seinen Augen lag?

Zwei Fackelbrände waren aufgelodert in diesen Augen, zwei harte Linien zogen sich von den Nasenflügeln zu den Mundwinkeln hinunter, der Unterkiefer war vorgeschoben, wie in Gier und Qual...

Und seine Hände, seine sonst so kraftlosen Hände mit den schmalen Gelenken hatten eine fanatische Energie, seit sie die Tasten berührt. Melodien stiegen empor.. brennend wie der Sommerwind, der den Blüten den Samen aus den Kelchen gerissen ... Melodien, die die Zuhörer aufwühlten, daß die Männer blaß wurden und die Frauen erröteten...

Die Leidenschaft war’s, die aus diesen Tasten schrie.. und eine Frage.. eine sehnsuchtzitternde, qualvoll inbrünstige Frage....

Eine Frage war’s, das fühlten sie alle hier.

Und die, an die diese Frage gerichtet war, verstand plötzlich. Verstand, daß da neben ihr und für sie die rote Rose Leidenschaft aufgeblüht war, von deren heißer Schönheit sie ihr Leben lang geträumt.

Ein Wirbel von Empfindungen war in ihr, sie war keines klaren Gedankens fähig.

In ihrem von der sengenden Hitze und den machtvollen Tonwellen überreizten Gehirn bebte nur ein Gedanke: die rote Rose Leidenschaft...