„Nicht, Tante, Du bist mir nicht böse?“ bettelte Monika.

„Na, weil’s der erste Tag ist. — Aber Du mußt wirklich vernünftiger werden, Kind. — — Und nun laß Dich doch mal endlich ordentlich ansehen.“

Mit prüfendem Blick musterte Frau von Holtz ihre Nichte.

„Wie Du gewachsen bist! — Und hübscher geworden bist Du auch! — — Ordentlicher leider immer noch nicht!“ — — Mit bedenklichem Kopfschütteln faßte Frau von Holtz nach einem halbabgerissenen Knopfe an Monikas Mantel.

„Ach, für die Sachen, die ich anhabe, lohnt sich’s gar nicht, ordentlich zu sein! — — So schöne Stoffe bekomme ich ja doch nicht!“ Mit liebevoller Vorsicht strich Monika über das schwarzseidene Kleid von Frau von Holtz. „Und so schön werd’ ich auch nicht wie Du, Tante. O das wunder-wunderschöne weiße Haar und die stahlblauen Augen! Wie eine Marquise siehst Du aus, natürlich eine vom ancien régime! Zu schade, daß die Marie davon nichts abbekommen hat. Aber die sieht genau aus wie Onkel. Ich ähnele Dir doch viel mehr als Deine Tochter. Nicht?“

„Ja, entschieden. — Aber nun laß Dir Dein Zimmer zeigen, kleine Plaudertasche.“

„Welches bekomme ich?“

„Das blaue.“