Benjamin sei wirklich krank, berichtete die mürrische Magd, er verlange aber gar nichts, er wolle die Sache ausschwitzen. Das hielt Gretchen nicht ab, sich zu rüsten. Das Näpfchen mit der warmen Suppe unter dem Mantel ging sie hinüber zu dem alten Freunde. Die Sonne schien so hell in die Werkstatt, die Blumen von den Fenstern waren etwas abgethaut, Fritz in weißen Hemdsärmeln und schwarzer Tuchweste stand mit Gesellen und Lehrburschen rüstig bei der Arbeit. Als die Thür sich öffnete und Gretchen mit dem frischen Gesicht und der schwarzen Sammetmütze hineinschaute, erschrak er fast, aber er trat ihr entgegen und reichte ihr freundlich die Hand.

Ich will zum kranken Benjamin, sagte Gretchen etwas scheu.

Zum kranken Benjamin? wiederholte Fritz und seufzte: ja er ist krank, und es ist recht schlecht von mir, ich habe ihn ganz vergessen. Soll ich das Näpfchen tragen? setzte er mit weicher Stimme hinzu.

Gretchen ließ es sich gefallen und folgte ihm nun die Treppe hinan. Aus der warmen Werkstatt traten sie in eine eiskalte Stube; Benjamin steckte tief in den Federn, der Staarmatz stand auf dem Tisch vor dem Bett mit trauriger Miene, der Dompfaff pickte eben vergebens am zugefrorenen Trinknäpfchen.

Armer Schuster! schnarrte der Matz, als die Thür sich öffnete, – armer Schuster!

Benjamin's Nachtmütze bewegte sich jetzt, und sein freundlich Gesicht kam zum Vorschein.

Dacht' ich's doch, daß Du kommen würdest, sagte er zu Gretchen, und nun gieb erst den Vögeln Futter. Dorthe ist schlechter Laune und ist seit gestern Abend nicht herauf gekommen.

Gretchen sah sich nach ungefrorenem Wasser um, aber vergebens; Fritz merkte, was sie suchte, und verließ das Zimmer. Eilig kam er wieder mit einem Töpfchen voll warmem Wasser und einer Schippe Kohlen. Schweigend reichte er ihr das Wasser, schweigend machte er Feuer in den Ofen und sah dann, wie Gretchen die Trinknäpfe der Vögel aufthaute, wie sie ihnen frisches Futter gab, wie sie dem Benjamin die Kissen zurechtlegte, ihm den Tisch vor dem Bette deckte und die Suppe darauf stellte. Fritz sah sinnend und traurig aus, und als Benjamin jetzt das Tischgebet sprach und Gretchen mit gefalteten Händen dabei stand, faltete auch er die Hände und betete mit. Nachdem sie geendet, trat er zu Benjamin, reichte ihm die Hand und sagte mit bewegter Stimme:

Benjamin, verzeihe mir, daß ich Dich so vergessen konnte, ich bin recht traurig darüber.

Benjamin nahm seine Hand in beide Hände und drückte sie herzlich. Dann wandte sich Fritz zu Gretchen: