Ja ihr Schelme! versetzte Vogler, ich wollte auch, ich wäre noch jung.

Ach, Sie sind ein Mann in Ihren besten Jahren, sagte Klärchen schmeichelnd.

Ich denke es auch manchmal; aber wenn ich denn meine Alte ansehe, wird mir schwarz vor den Augen, lachte Vogler und sah nach seiner Frau, die ihm gegenüber blaß und elend im Lehnstuhl saß.

Wenn ich todt bin, heirathest Du wieder, entgegnete diese bitter und holte dann schwerfällig Athem.

Und so lange Du lebst, lasse ich Dich keifen, fügte Vogler wieder scherzend hinzu.

Wie ungebildet sind diese Leute, dachte Klärchen; wie kann ein Mann die Frau so roh behandeln! So aber hat es der Vater mit der Mutter auch gemacht. Aber ich, ich werde es einst anders haben, ich nehme mir einen vornehmen Mann, – und nun hinaus in den lachenden Kaffeegarten!

Auguste Vogler hatte sich während der Zeit fertig gemacht und ging nun etwas schwerfällig neben der leichtfüßigen Freundin her. Auguste war weder schön, noch klug, noch fein; sie hatte das plumpe rothe Gesicht ihres Vaters, grobe Manieren und sprach dabei unglaublich albern. Aber das war gerade eine Freundin für Klärchen. Sie war fügsam und folgsam, durchschaute nicht ihre Intriguen, war ganz zufrieden mit der Nebenrolle, und hatte dabei immer als verzogenes Kind ihres Vaters die Börse voll Geld.

Beide Mädchen verließen die Stadt und gingen auf der Chaussee entlang dem Orte ihres Vergnügens zu. Klärchen bemerkte, daß sie ein Gegenstand der Aufmerksamkeit für Vorübergehende war: aber die Leute waren ihr noch nicht die rechten, es waren meistens Gesellen, oder Soldaten, oder höchstens ein Handlungsdiener; sie gedachte höher hinaus. Bald kam ihnen eine Reihe Studenten entgegen, mitten darunter eine orangegelbe Mütze. Das war der rechte; sie nahm ihr ganzes Wesen zusammen und erwiederte den Gruß mit vieler Holdseligkeit. Auguste machte bald die Entdeckung, daß die Studenten umgekehrt waren und ihnen auf dem Fuße folgten. Klärchen zweifelte nicht, daß es um ihretwillen war, und Auguste gönnte der Freundin den Triumph; sie war zufrieden, an der augenblicklichen Lust theilnehmen zu können; feine Pläne für die Zukunft machte sie nicht. Nach einigen Minuten kam ihnen wieder ein junger Mann entgegen, der sie grüßte, aber sehr bescheidentlich mit nur halb hingewandten Augen. Wer war das nur? fragte Klärchen.

Ei das war ja Fritze Buchstein, der ist seit vorgestern aus der Fremde zurück, den mußt Du doch kennen, er wohnt ja neben Tante Rieke.

Daß es ein Geselle war, sah ich an seinen großen rothen Händen, lachte Klärchen, sonst ist's aber ein hübscher Mensch.