„Etwas dergleichen ... Denken Sie, wenn ich selbstsüchtig genug gewesen wäre, Sie beim Wort zu nehmen?“

„Nun?“

„Sie hätten auf alles verzichten müssen: Ihre Stellung in der Welt, Ihren Einfluß, die Liebe der Ihren, Ihr abwechslungsreiches Leben ...“

„Und die Folge dieser Entbehrungen?“

„Daß Sie sich unglücklich gefühlt hätten.“

„Was weiter? Wer sagt Ihnen, daß Durst nach Glück mich veranlaßt hat, Ihnen den Vorschlag zu machen, der so wenig Anwert bei Ihnen fand? Es war Durst nach dem Gegenteil, nach Leid, nach Schmerz, mit einem Worte – nach Liebe.“

Ich muß sie sehr zweifelnd angesehen haben, denn sie beeilte sich, zu bekräftigen – „Liebe, ja, ja. Schade, daß ich sie nur zu empfinden und nicht einzuflößen verstand. Wir wären miteinander durchgegangen, und Sie hätten mich unglücklich gemacht, und das wäre wundervoll gewesen – unglücklich durch einen Menschen, den man liebt. Die Hand, die mich schlägt, ich küsse sie. Quäle, mißhandle mich, so viel es Dich freut, mit meiner Liebe wirst Du doch nicht fertig, diesen Reichtum erschöpfst Du nicht ... Und den in sich zu fühlen, den göttlichen Lebensquell ... was ist all das kleine Glück, das sich uns im Leben bietet, gegen ein solches Unglück?“

Sie verlangsamte ein wenig ihren noch sehr jugendlichen und hübschen Gang; ihre ganze Art und Weise blieb ruhig, ja gleichgültig, und dieser Gegensatz zwischen ihren Worten und ihrem Benehmen hatte einen eigentümlichen Reiz.

Wir nahmen Platz auf einer Gartenbank; der Himmel verfinsterte sich mehr und mehr, es herrschte ein malerisches Halbdunkel unter den Bäumen, das äußerst vorteilhaft war für Irinas farblosen, durchsichtigen Teint. Ihr feines Gesicht mit den großen grauen Augen, die zarte Gestalt im duftigen Spitzenkleide gewannen in der schmeichelnden Beleuchtung etwas Poetisches, Elfenhaftes.

„Das Glück,“ sagte ich, „mit dem Sie sich in Ermangelung des erwünschten Gegenteils begnügen mußten, hat doch auch sein Gutes, es hat Sie jung erhalten und schön.“