Einige widersprachen, ein kurzer Streit entspann sich. Am Ende beschloß die ganze Gesellschaft einstimmig, morgen mit dem frühesten auszureiten und von einem Hügel aus, der zu Pferde in zwanzig Minuten zu erreichen war, das Erscheinen des Tagesgestirns zu erwarten.

„Seien Sie pünktlich,“ empfahl mir Madeleine, ehe wir uns trennten, und ich versprach's und hielt Wort. Ich war der erste beim Stelldichein im weitläufigen, kiesbestreuten Hofe, in dessen Mitte eine Fontäne plätscherte. Ihr einförmiges Geräusch wurde allmählich eine Art Stimme und gurgelte: „Mach Dich gefaßt! Mach Dich gefaßt!“ Es kam sogar zu einem Vers:

Als Junggeselle reit ich aus,
Als Bräutigam kehr ich nach Haus.

Nicht sehr schön, aber was kann man von einer Fontäne verlangen?

Die Pferde wurden vorgeführt, streckten die Hälse, senkten die Köpfe; alle schienen unzufrieden, gegen jede Gewohnheit so früh aus dem Stall zu müssen.

Und nun erschien Madeleine unter dem Portal. Im dunkeln, enganliegenden Reitkleid nahm ihr ganzes Wesen sich so gar jung und unfertig aus ... Da hieß es: nicht vergleichen! nicht denken an Elsbeths wundervolle Frauengestalt.

Madeleine, die Reitpeitsche unter dem Arme, knöpfte mit der bloßen Rechten den Handschuh der Linken zu. Sie hatte mich gesehen, aber ohne zu grüßen hastig den Kopf gesenkt, runzelte ein wenig die breiten Brauen (die hat sie vom Vater), preßte die Lippen aufeinander ...

Ich sage Dir alles, demnach auch die Vermutungen, die mir da in den Sinn kamen: Ah, Mademoiselle, ich zögere Ihnen wohl zu lange? Sie haben wahrscheinlich geflunkert mit ihrer Eroberung, und nun fragen die Freundinnen: Was ist das? will der Besiegte sich noch immer nicht ergeben?... Die Entscheidung muß endlich herbeigeführt werden. So oder so! In der Kühlwanne läßt sich unsereines nicht halten ... Wohlan, ich will Ihnen den Sieg nicht schwer machen, sagte ich zu mir, trat an sie heran, und wir wünschten einander einen guten Morgen und waren gleich einig, daß wir auf die übrige Gesellschaft nicht warten wollten.

„Welches Pferd befehlen Mademoiselle?“ fragte der Stallmeister.

„Gleichviel, das erste beste,“ gab sie zur Antwort mit kaum unterdrückter Ungeduld und saß im nächsten Augenblick schon im Sattel auf einem tüchtigen Braunen, und auch ich wählte nicht lange – was mich später reute –, sondern bestieg, weil er am nächsten bei der Hand war, einen hochbeinigen, langohrigen Gaul, auf dem nicht einmal der Apollo von Belvedere sich gut hätte ausnehmen können.