Wir ritten im Schritt aus dem Hofe, dann im kurzen Trabe durch den Park und sprengten draußen in einen munteren Jagdgalopp ein. Madeleine, des Weges kundig, führte. Es ging immer schneller vorwärts, eine gute Weile über das Weideland, zwischen flachen grünen Hügeln dem Licht entgegen, das im Osten emporlohte.

„Wohin denn?“ fragte ich endlich. „Wo ist das Ziel?“

Sie erwiderte: „Längst überholt,“ hielt ihr Pferd an, lauschte und spähte in die Ferne, und ich rief:

„Bravo! Wissen Sie, wo wir sind? Da steht der Grenzpfahl – auf deutschem Boden – in der Höhle des Löwen.“

„Jawohl, und da schickt er einen Abgesandten.“

Von der flammenden Morgenröte am Himmel hob sich der Schattenriß eines Reiters, der, wie aus dem Boden gewachsen, vor uns auftauchte. Es war ein deutscher Offizier, ein schöner Mensch, sehr sonnverbrannt, sehr hübsch gewachsen, vortrefflich beritten. Er legte die Hand an die Mütze, und ich dumme gute Haut dankte ihm noch und bemerkte nicht gleich, daß der Held nur Augen hatte für Madeleine, die er voll Ehrfurcht und frommer Anbetung begrüßte.

O Lieber! und sie senkte den Blick vor dem seinen; und ich habe mich geirrt – sie kann das doch auch.

„Madeleine,“ sagte er, und seine Stimme war tief und wohlklingend und hätte mir in jedem andern Augenblick einen angenehmen Eindruck gemacht.

„Arnold,“ sagte sie. Das D tönte so zärtlich nach, so liebevoll: Arnolde. Sie reichten einander die Hände.

„Ich danke Ihnen, daß Sie gekommen sind.“