Die Mutter wagte nicht, ihn anzusprechen, um ihn nicht zu stören, warf nur verstohlen von Zeit zu Zeit einen bekümmerten Blick auf ihn und vertiefte sich wieder in ihre Arbeit und flickte emsig am schadhaften Futter der Jacke, die er ausgezogen hatte.

Nun wurde nebenan ein Geräusch vernehmbar. Im Schloß der Küchentür drehte sich der Schlüssel.

„Der Vater kommt,“ sprach Frau Agnes. „Bist fertig, Schorschi?“

„Mit der Rechnung noch lang nicht.“ Sein Mund verzog sich, und unter seinen blonden Wimpern quollen plötzlich Tränen hervor.

„Um Gottes willen, Schorschi, nicht weinen, du weißt ja – der Vater ...“

Da trat er ein, und sie stand auf und ging ihm entgegen, und er erwiderte ihr schüchternes Willkomm mit einem ungewohnt freundlichen:

„Na, grüß euch Gott.“


Offizial Pfanner war um ein weniges kleiner als seine Frau und ungemein dürr. Die Kleider schlotterten ihm am Leibe. Seine dichten, eisengrauen Haare standen auf dem Scheitel bürstenartig in die Höhe, seine noch schwarz gebliebenen Brauen bildeten zwei breite, fast gerade Striche über den dunkeln, sehr klugen Augen. Den Mund beschattete ein mächtiger, ebenfalls noch schwarzer Schnurrbart, den Pfanner sorgfältig pflegte, und der dem Beamten der Kaiserlich Königlich Österreichischen Staatsbahn etwas Militärisches gab.

Pfanner hatte einen großen Pack Schriften mitgebracht und war doch nicht unwirsch. Er ließ sich von seiner Frau den Überrock ausziehen und sagte sanft und ruhig: „Bring das Essen und lösch die Lampe in der Küche aus. Die brennt, ich weiß nicht zu was. – Lern weiter!“ befahl er dem Sohn, der sich nach ihm gewendet hatte und ihn scheu und ängstlich ansah.