taugt nichts mehr, man verliert allen Halt ... Sehen Sie mich; ich perorire da unaufhaltsam und weiß, in einer halben Stunde, in fünf Minuten vielleicht, werde ich stumm sein wie ein Stock, nicht eine Silbe herausbringen und nicht mehr wissen, ob man sagt: Schöne Frau, ich habe die Ehre oder: Schöne Ehre, – ich hab’ eine Frau.«

Die Gräfin lachte: »Da sind Sie ja sehr zu bedauern.«

»In einem Jahre werde ich sehr zu beneiden sein, wenn ich mein Glück erlebe, wenn ich nicht früher überschnappe, es kommen mir manchmal so elend feige Gedanken.«

»Sie werden noch eine Menge Gutes erleben,« sagte der Graf. »Der kleine Besitz, den Weißenberg für Sie gekauft hat, ist sehr hübsch. Aber ich darf nichts verrathen, das sollen ja lauter Überraschungen werden.«

Die Augen Bertrams leuchteten, doch sprach er ängstlich: »Ich will mir nicht zu große Erwartungen machen. Alles hat zwei Seiten, auch mein Besitz wird sie haben. Vorläufig rechne ich mit Zuversicht nur auf ein ungetrübtes Glück. Auf

das Glück, vier volle, gesegnete Wochen in einer unlitterarischen Umgebung zu verleben. Sie können nicht ermessen, was das bedeutet für einen Tintenmenschen wider Willen. Vier Wochen, in denen er kein Buch in die Hand nehmen braucht, in denen ihm kein Manuskript unter die Augen kommt, Niemand ein Autograph von ihm verlangt, vier Wochen himmlischer Seligkeit! Weißenberg war mein Schulkamerad, er ist mir der treuste Freund, meine Vorsehung ist er. O, wie freudig bin ich ihm zu ewigem Dank verpflichtet; in keines Menschen Schuld stände ich mit solcher Wonne, wie ich in der seinen stehe, und ich bin doch lieblos genug, mich weder auf ihn noch auf die Seinen so zu freuen, wie ich mich auf die absolut litteraturfreie Atmosphäre seines Hauses freue.«

Der Graf räusperte sich, die Gräfin sah befremdet aus. »Wann waren Sie zum letztenmal in Obositz?« fragte sie.

»Vor vier Jahren.«

»Stehen Sie nicht in Korrespondenz mit Ihrem Freunde?«

»Alle Jahr zweimal schicke ich ihm Geld, und