er schickt mir eine Empfangsbestätigung. Ein litterarischer Taglöhner wie ich, schreibt nicht Briefe zu seinem Vergnügen, und Freund Weißenberg schreibt überhaupt nicht. Bei meinem letzten Besuche wollte er einen Überschlag machen, dazu mußten wir in die Kanzlei gehen, weil die Tinte im Schreibzeug des famosen, männlich thätigen Mannes eingetrocknet war. Und seine liebenswürdige Gattin, die keinen Anspruch auf klassische Bildung macht, und ihre schöngeistigen Bedürfnisse mit ein paar Familienblättern bestreitet ... Bei ihrer letzten Anwesenheit in Wien waren wir im Burgtheater und sahen Egmont. Am Schlusse sagte sie: ‘Der Egmont ist doch das schwächste Stück von Laube.’ Eine verehrungswürdige Frau!«

Die Thür des Coupés wurde geöffnet, der Schaffner trat ein und bat um die Fahrkarten. Bertram zog sein Portemonnaie heraus, suchte, fand nichts, wurde kreideweiß, griff in die Brusttasche, und fand auch da nichts.

»Wie kommt dieser Herr herein, der Herr Graf haben doch das ganze Coupé genommen?« sprach der Schaffner.

»Und ich habe eine Karte genommen und bezahlt,« schrie Bertram. Er war aufgesprungen und griff verzweiflungsvoll in alle seine Taschen. »Und dann – was hab’ ich dann gethan?« Ihm ward plötzlich alles klar und die Schamröthe stieg ihm ins Gesicht: »Dann habe ich einem Komfortabler fünf Gulden gegeben, und der Mensch hatte es nicht verdient, denn er war sehr grob; und ich habe einem Träger, einem ausgezeichneten Manne, statt des Trinkgeldes, das ich ihm zudachte, meine Fahrkarte und meinen Gepäckschein in die Hand gedrückt. Nein,« brach er aus, »daß ich reise ohne ein paar Kinderfrauen mitzunehmen, eine zur Rechten und eine zur Linken, daß ich überhaupt reise – ein Mensch, wie ich!«

IV.

Auch der Graf war aufgestanden, er drückte Bertram auf seinen Sitz zurück und redete ihm zu, sich zu beruhigen. »Sie sind mein Gast im Coupé, Sie fahren mit der Taubenkarte, und Ihren Koffer müssen wir halt schauen ohne Gepäckschein herauszukriegen.

Nach Hullein ist er aufgegeben, da steigen wir ohnehin zusammen aus.«

Er besprach sich halblaut mit dem Kondukteur, Bertram verstand nur einzelne Worte, es sauste ihm so furchtbar in den Ohren. Aber jetzt erhob sich die Stimme der jungen Frau, die auf eine nur geflüsterte Bemerkung des Schaffners laut erwiderte:

»Es war der große Michel, und der Koffer war neu und aus gelbem Leder, ich habe ihn gesehen und erkenne ihn gleich wieder.«

Dann schienen der Graf und der Schaffner einen Händedruck zu tauschen, und der Schaffner wurde ein Lauzun an Höflichkeit, gab die tröstlichsten Versicherungen und entfernte sich, alle, auch Bertram grüßend.