ihn ein Schwindel, er wurde blaß und machte die kläglichste Figur.

»Was, Teufel, was hast?« fragte Hugo. »Sitz’ grad’, halt’ dich nicht am Zügel. Courage! Das Pferd ist ja gar kein Pferd, ist ja eine Kuh!«

Bertram hatte aber vier Jahre lang nicht einmal auf einer Kuh gesessen. Ihn beseelten zwei heiße Wünsche: bald ankommen, und nicht vom Pferde fallen. Die Freunde ritten im gemüthlichen Zotteltrab quer über die Wiese. Rechts von ihnen lag schmuck und wohlgepflegt ein Musterwäldchen, links stieg der Boden sachte auf, und die kleinen Anhöhen, hinter denen die Lepiden blauten, waren von den schneeweiß getünchten Stationen eines Kalvarienberges gekrönt. Vor den Reitern blinkte es manchmal wie Funken auf, am hellen Horizonte. Die vergoldeten Kreuze auf den Kirchen und Kirchthürmen der erzbischöflichen Stadt erglänzten im Morgensonnenschein. Jenseits des Wassers erhoben sie sich, des klaren Gebirgsstromes, der seine Umgebung verschönerte, befruchtete oder auch – verheerte.

Bis zum Meierhof, dem der Freiherr und

Bertram entgegenritten, war er aber noch nie gedrungen. In respektvoller Entfernung von ihm aufgebaut, genoß die stattliche Besitzung die Segnungen seiner Nachbarschaft, ohne von ihren Gefahren bedroht zu werden.

Der Weg wurde schmaler, er führte jetzt durch eine Allee von Obstbäumen. Hugo sah sich nach allen Seiten um, sah auch alles, kümmerte sich um alles, nur nicht um sein Pferd. Mit dem war er wie verwachsen, der reine Centaur, der dicke, alte Herr. Er ritt, wie ein anderer zu Fuß geht, lief mit vier Beinen statt mit zweien, das war der Unterschied.

»Schau,« sagte er und deutete auf einen frischen, tiefen Hieb, der einem jungen Apfelbaume offenbar mit der Axt beigebracht worden war. »Und schau, da und da!« Eine ganze Reihe von Bäumen war so bis aufs Mark zerhauen.

»Dumme Verwüstung,« rief Bertram, »wer thut das? Und warum geschieht’s?«

»Sagen wir aus Übermuth,« erwiderte Hugo achselzuckend, und der Freund bewunderte seine Gelassenheit, sein geistiges, moralisches, und in diesem

Augenblick ganz besonders, und mit entschiedenem Neide, sein physisches Gleichgewicht.