sein Mutterhaus betreten hat.« Er hing die Zügel seines Rosses über den Arm und ging wohlgemuth neben Weißenberg, der sein Pferd in Schritt gesetzt hatte, einher. »Das Glück trägt mich, was soll ich mich von einem Pferde tragen lassen!«

Der kleine Besitz, den der Freiherr für Bertram gekauft hatte, bestand aus sechzig Hektaren fast durchwegs besten Bodens und zwar aus vier Hektaren Wald, zehn Wiesen, vier Weideland, der Rest Felder. Das Haus, von Grund auf neu gebaut, hatte fünf Fenster Front im ersten Geschoß, und vier im erhöhten Halbstock, je zwei neben dem Hausthor. Das war aus massivem Eichenholz, fest und kunstvoll gefügt und mit einem so gediegenen Schlosse und Klopfer und so schön gezeichneten Beschlägen aus blankem Schmiedeeisen versehen, daß sein Anblick ein Genuß gewesen wäre, auch wenn es nicht den Eingang zum Vogelhaus gebildet hätte. Steinerne Stufen führten zu ihm hinauf, die kanellirten Säulchen, die den Abschluß des Geländers bildeten, trugen Blumenvasen aus Thon, in denen großblätteriger Epheu wuchs und gedieh. Das Haus stand dicht vor dem Wäldchen

und mitten in dem kleinen Garten, in dem schon allerlei Nutzpflanzen grünten, aber auch Blumen blühten und dufteten. Hinter dem Drahtgitter, das den Garten umfriedete, hoben junge Fichtenbäumchen die frischen, hellgrünen Köpfe aus der Erde und waren bestimmt, in einigen Jahren einen üppigen lebenden Zaun zu bilden.

Je mehr die Freunde sich dem Vogelhause näherten, desto stiller war Bertram geworden. Am Gitterpförtchen trat ihnen ein ältlicher, hagerer Mann in abgetragener Kleidung entgegen. Sein echt slavisches Gesicht hatte einen ernsten Ausdruck, seine breiten Hände schienen eben eine Tüncherarbeit verrichtet zu haben, denn sie waren inwendig ganz weiß.

Der Freiherr stellte ihn vor: »Joseph Waniek, ein Prachtmensch. Man darf das vor ihm sagen, es ist keine Schmeichelei, er weiß, was er werth ist. Er wird deine Wirthschaft führen, solange du willst: er ist alles: Ökonom, Gärtner, Maurer, Schlosser, Zimmermann.«

»Ich werde zu Ihnen in die Schule gehen, Herr Waniek,« sagte Bertram und reichte ihm die Hand.

Waniek verbeugte sich höflich deprecirend, ergriff die Zügel der Pferde und führte sie fort:

»Wohin? wohin geht er mit ihnen?«

»Nun – in den Stall.«

Der neue Grundbesitzer brach in Entzücken aus: »Ich hab’ einen Stall.« schrie er. »Wo?« Er wollte davonstürzen, besann sich aber, wandte sich und stürzte dem Freund an die Brust: »Wie soll ich dir danken?«