Der Baron wurde auf einmal kalt und ablehnend:

»Keinen Unsinn. Wofür? Daß ich dein Geld zweckmäßig (so hoff’ ich wenigstens) verwendet habe? Es hat mir Spaß gemacht. Du aber besinn’ dich, was du einst für mich gethan hast. Auf deinen Schultern durch die Schulen getragen hast du mich, du, der viel Jüngere, mich, den ewigen Repetenten. Himmel, Himmel, waren das Zeiten! Mein guter, alter Vater, der selbst nichts gelernt hatte und das Lernen deshalb für eine so leichte Sache hielt. ‘Ich kränk’ mich zu Tod’, wenn du nicht lernst.’ Und ich, der ihn liebte, es ihm beweisen wollte und nicht konnte mit meinem Dickschädel,

der so empfänglich war für Gelehrsamkeit, wie eine Rübe für Magnetismus.«

»Thu’ dir nicht Unrecht, Hugo,« versetzte Bertram und brach plötzlich in Schluchzen aus. Bei dem Anblick kamen auch dem Baron die Thränen in die Augen, er zog sein Taschentuch hervor und schneuzte sich kräftig: »So, fertig,« sprach er. »Jetzt wollen wir deinen Grundbesitz in Augenschein nehmen.« Sie traten ins Haus, durchwanderten seine wohnlichen, aber noch spärlich eingerichteten Räume, begaben sich dann in den Stall, in dem vier stattliche Kühe und zwei tüchtige Gäule standen. In einem kleineren Stalle waren einige Schafe untergebracht, und im Schweinekoben hörte man’s vergnüglich grunzen.

»Borstenvieh hab’ ich auch!« jubelte Bertram. Dem Freiherrn wurde bange um ihn. Während er sein Grundeigenthum beschritt, wechselten seine Stimmungen mit unheimlicher Schnelligkeit. Aus überwallender Freude verfiel er in tiefste Muthlosigkeit und rief händeringend:

»Ich bin Moses! Ich sehe das Land der Verheißung, aber in Besitz nehmen werde ich es nicht,

erleb’s nicht. Ein solches Glück erlebt man nicht. Des Lebens ungemischte Freude ...«

»Nur vor der keine Angst,« unterbrach ihn Hugo. »Die Mischung findet sich. Für die Sorgen des Landwirths ist gesorgt.«

Sie kamen zu einem Weizenfelde, wo eben geschnitten wurde; sechs Schnitter waren dabei beschäftigt, das heißt, zwei mähten, zwei schliffen ihre Sensen und schnupften dazwischen mit großer Umständlichkeit, zwei tranken Branntwein.

»Schau dir den Weizen gut an,« sagte der Freiherr. »Für den rechne ich auf den ersten Preis bei der landwirtschaftlichen Ausstellung.«