»Ja – ich werde auch – aber« ... Sie kam nicht weiter, Thränen erstickten ihre Stimme. Sie stand auf und warf sich weinend in die Arme ihrer Mutter, die ebenfalls aufgestanden und ihr entgegengegangen war. Leise und unverständlich flüsterten sie miteinander. Weißenberg führte seine große Theetasse an den Mund und setzte sie erst wieder ab, als die Baronin und Sieglinde auf ihre Plätze zurückgekehrt waren.

»Lieber Vogelweid,« nahm die Hausfrau das Wort, »meine Tochter wird Ihnen selbstverständlich ihr Album schicken, verzeihen Sie, daß es noch nicht geschah.«

»Verzeihen?«

Gertrud erhob den Kopf. Bertram hatte diese Frage mit so bösartiger Ironie gestellt, daß einem

bange werden konnte vor ihm. Die Baronin schwebte wieder ein paar Meter hoch über den Parketten und merkte nichts.

»Sie sollten vorher wissen, lieber Freund,« fuhr sie fort, »daß es eine kleine Kollegin ist, die um einige Zeilen von ihrer berühmten Hand bitten kommt. Sieglindchen dichtet.«

»Ob ich mir nicht so was gedacht hab’,« rief Weißenberg verdrießlich aus. »Sie spielt ja schon seit einiger Zeit alle Farben, wenn jemand sagt: ‘Poet’ oder: ‘lyrisches Gedicht’.«

»Bisher,« setzte die Baronin hinzu, »haben nur die Augen der Mutter auf den jungen Geistes- und Gemüthsblüthen des Kindes geruht.«

»So? die eigenen hat das Kind dabei zugemacht, es wird ihr im Schlaf gekommen sein,« brummte Hugo, sagte sich aber im stillen: sie spricht gut, meine Frau.

»Sieglindchen ist so bescheiden, so ängstlich. ‘O Mutter, wenn ich nur Talent habe’, klagt sie oft gar rührend. ‘Ich weiß nicht, ob ich weiter dichten soll’. Nach schweren Kämpfen hat sie sich