An der Thür hielt Weißenberg an, kehrte um und blieb zwei Schritte vor Bertram stehen: »Noch einmal ehrlich,« sprach er, »Mann gegen Mann, bin ich in deinen Augen gesunken?«

»Gesunken? Du? Nie höher gestanden, Mensch ohne Eitelkeit, guter, lieber Alter!«

XIV.

Als Bertram am nächsten Morgen erwachte, schlug die Schloßuhr acht, und Simon trat zum zweitenmal ins Zimmer. Er war schon vor einer halben Stunde dagewesen und hatte den Herrn Doktor noch fest und süß schlafend gefunden. Hatte der Herr Doktor das »Schpektakel« gehört in der Nacht? das Horn des Feuerwächters, das Gerassel der Spritzen und Wasserwagen, das Geschrei der Leute? Mit der Überlegenheit eines Menschen, der etwas erlebt hat, während der andere ruhig im Bette lag, erzählte Simon, daß ein großes Feuer gewesen war. Der entlassene Ochsenknecht, der schlechte Kerl, hatte es gelegt. Ein Meierhof war abgebrannt, die Mutter des Schaffers und sein kleinstes Kind wären bei einem Haar mit verbrannt. Aber der Herr Baron hat sie mit eigener Lebensgefahr gerettet.

Bertram war aufgesprungen, hatte hastig einige Kleidungsstücke angethan und wollte auf und davon – zum Freunde, zum Feuer.

»Der Herr Baron sind aber wieder da und

schlafen jetzt, und Feuer ist keins mehr,« sagte Simon innerlichst zufrieden mit dem Effekt, den er hervorgebracht hatte. Er redete Bertram zu, Toilette zu machen und zu frühstücken, und Bertram übergoß sich mit kaltem Wasser und rief:

»Mein Freund im Feuer, mein Freund in den Flammen, und ich lieg’ da und schnarche. O Simon, Simon! warum haben Sie mich nicht geweckt!«

Wecken? Jekerle, wo hätte Simon die Zeit dazu hergenommen? Er war ein paarmal in der Nacht zur Brandstätte gelaufen, der Frau Baronin Nachricht zu bringen, die bei ihrem Sohne wachte und in großer Angst gewesen ist um Hagen, weil er fieberte, und um den Herrn Baron, weil sie schon weiß, wie der ist, wenn’s brennt.

»Tummeln sich, bitte,« schloß er, »die gnädige Frau Baronin haben grad wieder nach Herrn Doktor gefragt und warten auf ihn im Garten.«