Das Stelldichein gab sie also nicht auf, die Unselige! Ein Verbrechen war begangen, es war Feuer gelegt worden. Ihr Sohn hatte Fieber gehabt, ihr Mann in Lebensgefahr geschwebt, ihres Stelldicheins vergaß sie über alledem nicht!

O Weiber! Weiber! – Mächtig ergriff ihn Schopenhauersche Indignation gegen das treubrüchige, breithüftige, leichthirnige Geschlecht.

Sie wünschen ein Rendezvous, Madame? Sie sollen es haben!

Mit schroff ablehnender Miene erschien er eine Viertelstunde später unter den Platanen. Baronin Weißenberg erwartete ihn. Sie trug ein Morgenkleid aus Battist mit Spitzen und Stickereien und hellgrauen Schleifen. Auf ihren etwas altmodisch, aber hübsch frisirten Haaren saß ein allerliebstes Häubchen. Ihre Gesichtsfarbe war wie gewöhnlich frisch und rosig, aber ihre Augen hatten etwas Verschleiertes, sie schien geweint zu haben.

Bertram begrüßte sie und fing sogleich an vom Feuer zu reden, in so barschem Tone, als ob sie es gelegt hätte. Die arme Frau war ganz eingeschüchtert, und ihr Mund verzog sich krampfhaft.

»Hugo hat keinen Schaden genommen, dem Himmel sei Dank. Er exponirt sich bei solchen Gelegenheiten immer entsetzlich. Alles Lebendige ist gerettet, und das Gebäude war versichert,« sagte sie und blickte hülflos und wie suchend umher.

»Man kann heutzutage nicht vorsichtig genug sein.«

»Da haben Sie wohl recht, assekurirt muß man sein, und ich leichtsinniger Thor habe noch nicht gefragt, ob diese so nothwendige Maßregel in Vogelhaus getroffen wurde,« rief Bertram. »Entschuldigen Sie, wenn ich keinen Augenblick länger zögere, mir Gewißheit darüber zu verschaffen.« Er stand auf.

»O Vogelweid, wie grausam Sie sind! Ja, ja, das ist Grausamkeit!« wiederholte die Baronin und lehnte sich völlig gebrochen an die Gartenbank: »Sie müssen doch ahnen – ein Mann wie Sie!... Und statt mir mein schweres Geständniß zu erleichtern – ein Geständniß, das zu thun so beschämend« ...

»Wie wär’s, wenn Sie sich’s ersparten?« fragte Bertram kalt und spöttisch.