»Athmen Sie,« rief Bertram, hielt dem bleichen Carolus mit einer Hand das Flacon unter die Nase und nahm mit der andern ein Päckchen in Empfang, das der Bedrängte aus der Brusttasche gezogen hatte. Die Herren führten ein kurzes Gespräch, das der Lärm des über eine Brücke hinrasselnden Zuges für ihre Gefährtin im Coupé unhörbar machte.
»Sie überfallen mich wie ein Straßenräuber.«
»Wie ein Straßenräuber, der über alle Errungenschaften der Kultur verfügt, ja. Wenn Sie mir das,« er spielte mit dem Päckchen, ließ es kreisen zwischen seinen Fingern, »nicht gutwillig anvertraut hätten, würde Ihrer irgendwo unterweges eine bescheidene Empfangsfeierlichkeit gewartet haben.«
»In Trzebinia, meinen Sie. Als ob es mir nicht freistände, auszusteigen, wo ich will.«
»Unbemerkt nicht. Dafür wäre leicht gesorgt. Ein Passagier erster Klasse, mit Ihrem Äußern, so auffallend hübsch gekleidet, wie Sie immer sind. Ich bin Ihrer sicher, verlassen Sie den Train, wo es Ihnen beliebt; seien Sie nur gewiß morgen nachmittags wieder in Wien. Mein Advokat, den Sie ja kennen, wird den Auftrag haben, abends bei Ihnen anzufragen, ob das Paket abgeschickt ist.«
»Es wird abgeschickt sein,« knirschte Carolus. »Aber bei nächster Gelegenheit – machen Sie sich gefaßt.«
»Auf einen Vipernstich in die Ferse ist unsereins immer gefaßt – Sie fahren also bis Trzebinia, geehrter Freund,« sagte er laut, »und so benützen Sie wohl den nächsten Zug, der morgen um 7 Uhr 55 Minuten von dort abgeht, zur Rückkehr nach Wien?«
»Nach Wien?« mischte die Dame sich ins Gespräch. »Ich komme von dort, eine charmante, kleine Stadt, dieses Wien.«
»Und, gnädige Frau,« fragte Bertram, »sind auf dem Wege nach?« –
»Nach Hotin.«