»Ich will nicht ungestraft gefehlt, geirrt haben,« sagte sie. »Ich werde ehrlich Buße thun; ich habe das Bedürfniß, zu sühnen, Vogelweid.«
Über die Art, in der das geschehen sollte, konnte sie ihm im Augenblick keine Aufklärung
geben, denn Hugo kam eben in Begleitung Meisenmanns herbei. Der Freund und die Gattin bereiteten dem Herrn des Hauses einen Empfang, auf den er nicht gefaßt gewesen war.
»Hugo! Hugo! mein Alter! Ich hab’ dich noch nicht gesehen, seitdem du im Feuer gewesen bist und Menschenleben gerettet hast. O, ich weiß – ich weiß, du Braver!« rief Bertram ihm begeistert entgegen, und die Gattin schwebte im wuchtigen Fluge auf ihn zu und lag an seiner Brust und weinte auf seine lichtblaue Piquéweste »Thränen der Wiedergeburt.«
Ihr Mann fand das schön gesagt und gut gegeben, ersuchte sie aber Maß zu halten: »Du warst am Vormittag schon gerührt, Bertherl, das ist hinreichend, auch für eine so liebe und treue Frau wie du.«
»Treu?« – die Baronin zuckte zusammen wie eine verwundete Taube.
»Nun, vielleicht nicht? Ich bitte dich, Bertherl, mache dich nicht interessant. Wir wollen jausen ohne Interessantmacherei und ohne Rührung. Solche Sachen verderben einem nur den Appetit.«
»Vor meiner Rührung brauchen Herr Baron sich nicht zu fürchten,« sprach Meisenmann mit forciertem Humor. »Haben unter anderen einen deutschen Juden aus dem Feuer gezerrt. Ich an Ihrer Stelle hätte ihn tiefer hineingeworfen.«
»Sie Meisenmann? Wie macht das ein Theoretiker? Ich bin neugierig. Sie müssen es mir zeigen bei nächster Gelegenheit.«
Der Professor rutschte unruhig auf seinem Sessel hin und her. »Nächste Gelegenheit? Was für eine Gelegenheit meinen?«