»Wir werden ja sehen, sie kommt.«

»Wenn man sie herbeiführen will, kommt sie freilich.«

»Ohne Sorge! Ich werde nicht extra Feuer legen, damit Sie Juden hineinwerfen können.«

Sieglinde und Gertrud kamen, die erstere aufgelöst in Verlegenheit, im scheuen Blick die Frage: Was sagen Sie zu meinen Gedichten? die zweite sehr ernst und noch stiller als gewöhnlich. Bertram glaubte zu bemerken, daß Meisenmann sie schon einigemale triumphirend angesehen habe, und war voll Indignation und hätte ihm gar zu gern zugerufen:

Sie nimmt dich nicht; mich nicht und dich ebensowenig.

Etwas freier athmete er, als Hugo und Meisenmann sich zu Hagen verfügten und er allein blieb mit den Damen. Die Baronin und Sieglinde fingen an zu flüstern und einander gegenseitig aufzumuntern: »Du, Lindchen, du!« »Um Gotteswillen, nein, du, Mama!« Die liebende Mutter gab nach. Sie räusperte sich, sie hielt eine kleine Rede, in der sie ihren sehnlichen und den nicht minder sehnlichen Wunsch ihrer Tochter ausdrückte, Bertrams Urtheil über die Gedichte Lindchens in Erfahrung zu bringen.

»Gedichte?« Er mußte sich besinnen. »Gedichte – ja so!«

»Mama, Mama, Herr Vogelweid hat ganz vergessen ...« klagte Lindchen tief gekränkt.

»Nein, Baronesse, ich habe nicht vergessen, ich habe ge–geblättert, sagen wir, in den Gedichten, die Sie mir geschickt haben ...« Erbarmungslose, die einen Überfütterten noch stopft, wollte er hinzusetzen, aber die ängstlich gespannten Mienen der Mutter und der Tochter, die demüthig sehnsüchtige

Erwartung, mit der beide Damen zu ihm empor schmachteten, entwaffnete ihn. Diese Dilettanten! sie haben alle Aspirationen, machen alle Leiden des echten Künstlers durch – nur was dabei herauskommt, ist anders. »Vor allem, Baronesse,« wendete er sich an Sieglinde, »was haben Sie vor mit Ihren Gedichten?«