»Jawohl, Erpressung und Gewalttätigkeit.« Er nahm die Bilder von der Wand und riß sie in Stücke. Er that’s ganz ruhig, und Hagen ließ es ohne Einsprache geschehen, lehnte den Kopf zurück, streckte die Beine weit aus und lag da wie ein Todter.
Der Arzt kam, nach seinem Patienten zu sehen, fand ihn erschöpft und etwas fieberhaft, und wollte bei ihm wachen.
Bertram verließ das Zimmer. Beim Weggehen hatte er aber einen Diebstahl begangen. Er hatte die Pistole abgespannt und sie mit sich genommen.
XVIII.
Er ging zu Bette, konnte aber nicht einschlafen. Die Sorge um Hagen hielt ihn wach. Nach einer Stunde stand er auf und begab sich zu ihm hinüber, um nach seinem Befinden zu fragen. Es war gut; der Ungerechte schlief den Schlaf des Gerechten, und dieser ängstigte sich um das saubere Früchtchen, das ihn sicherlich auslachen würde, wenn es davon wüßte. Bereuen konnte er seine nächtliche Wanderung aber nicht, denn er brachte Seelenruhe von ihr heim.
In aller Gottesfrühe, nach einigen Stunden kurzer, köstlicher Rast, war er auf dem Wege nach
Vogelhaus. Unaufhaltsam hatte er vorwärts eilen wollen, aber die Schönheit des Gartens hielt ihn fest. Eine wahrhaft vollendete Schönheit.
Auf einer Brücke, die über das klare und wasserreiche Bächlein führte, das den Garten durchschlängelte, blieb Bertram stehen. Er legte die verschränkten Arme auf das Geländer und versank in die Wonne still bewundernden Schauens. Zwischen den Bäumen und Baumgruppen auf den welligen Wiesen eröffnete sich ein weiter Ausblick auf die Berge und Wälder. Ein Blick voll Frieden. Wohnt er auch wirklich dort? Er wohnt, wohin du ihn träumst, und das ist in der Natur ewig und immer – die Ferne. Tritt näher, du siehst den Kampf.
Ein Knistern des Kieses, das Geräusch nahender Schritte, weckte ihn aus seinen Betrachtungen. Er wendete den Kopf und erblickte Gertrud, die langsam auf ihn zukam. Sie sah ihn nicht, sie wandelte unter dem Schutze eines großen Sonnenschirms, dessen breiter Spitzenrand ihr Gesicht verdeckte, und fuhr zusammen bei dem freudigen Gruße, den Bertram ihr zurief. Sie wäre ihm
offenbar gern ausgewichen, konnte es aber nicht mehr thun, ohne geradezu die Flucht zu ergreifen. So entschloß sie sich denn, ihren Weg – noch langsamer als vorhin – fortzusetzen.