Sie scheint nicht angenehm überrascht durch meine Anwesenheit, sagte sich Bertram – ich störe sie – worin nur? Warum steht sie so früh auf? Sie dichtet! Ohne Zweifel, sie dichtet. Man kann nicht anders in diesem Milieu. Sie geht vielleicht ins Fischerhaus, um dort zu dichten.

Merkwürdig! Als ihm der Einfall kam, da war’s, als ob eine Mauer niedergefallen wäre, die zwischen ihm und ihr gestanden hatte. Sie Dichterin, er Journalist: er fühlte sich beinahe auf dem gleichen Fuße mit ihr. Beinahe, nicht ganz. Sie war ihm doch noch zu fremd und – »eine Würde, eine Höhe« ...

Er setzte den Hut, den er feierlich abgenommen hatte, wieder auf, ging ihr entgegen und wand dabei, wie man beim Waschen thut, eine seiner Hände um die andere, was immer etwas sehr Verbindliches hat. Vor ihr angelangt, neigte er sich mit einer gewissen freundlich erwartungsvollen Spannung

und sagte: »Nun, mein gnädiges Fräulein ... und was schreiben denn Sie?«

Gertrud war betroffen: »Ich?«

»Sie! – Sie werden doch auch schreiben.«

»Nein, gewiß nicht.«

Nun war er betroffen. »Ist das möglich? Und warum nicht?«

»Warum? – weil ich kein Talent habe,« gab sie mit großer Gelassenheit zur Antwort und zuckte ein wenig die Achseln.

»Kein Talent?... Eine Dame von heute ohne Talent zur Schriftstellerei?« Die niedergesunkene Mauer richtete sich sogleich wieder auf, und die Geliebte stand ihm wieder so hoch wie je, und er hätte das Knie vor ihr beugen mögen und ausrufen: »Verzeih’, Erhabene, daß ich dich anbete!«