Zum ersten Male während ihres Gespräches hatte sie die Augen zu ihm erhoben und sah ihn mit einem Gemisch von Verlegenheit und Muthwillen flüchtig an: »Ich wäre vielleicht so gut wie andere im Stande gewesen, mir poetisches Talent zuzutrauen, wenn mich nicht eine Autorität bei Zeiten aus der Gefahr gerettet hätte.«

»So sind Sie, mein gnädiges Fräulein« – das kam mit einem Anflug von Wehmuth heraus – »doch auch in Gelegenheit gewesen, sich an eine Autorität in dergleichen Dingen zu wenden?«

»Jawohl, wie ich in Gelegenheit gewesen bin, bei Blumenmacherinnen und Stickerinnen anzufragen: Ist meine Arbeit etwas werth und könnt’ ich Geld dafür bekommen? Was versucht man nicht alles, wenn man jung ist und voll Selbstvertrauen.«

Und arm, ergänzte er in Gedanken.

Nun kamen sie an dem Weg vorüber, der zur Straße nach Vogelhaus führte. Bertram ließ ihn links liegen und schritt weiter, an der Seite seiner holden Begleiterin. Sie sprachen von gleichgültigen Dingen, aber ihm ging dabei das Herz auf; die Scheu, die Gertrud bei jeder neuen Begegnung mit ihm zu überwinden hatte, war verschwunden bis auf die letzte Spur, da wagte er’s, da sprach er die Frage aus, die ihm schon so lang auf der Seele brannte:

»Was haben Sie gegen mich gehabt, Furcht oder Abneigung? Eines dieser beiden Gefühle war ich so unglücklich, Ihnen einzuflößen.«

»Das erste,« erwiderte sie ohne Zögern.

»Du lieber Gott, wer ist schuld? Wer hat mich verleumdet?«

»Niemand; bei uns wird nur Ihr Lob gesungen, ich habe aber meine Privatempfindung.«

»Und die ist Furcht?«