»Ich staune, daß Sie darüber staunen. Wenn man grausam sein kann wie Sie, wenn man arme, vielleicht feinfühlige Menschen an den Pranger stellen und dazu lachen kann ... denn Sie lachen, wenn Sie Ihre Feuilletons schreiben ...«
»Längst nicht mehr. Ich schwitze, schwitze Blut! Und was die armen, feinfühligen Menschen betrifft – die sich ohne Berechtigung an die Öffentlichkeit drängen, die haben eine dicke, eine Rhinozeroshaut; denen geschieht nichts, aber die Pfeile meines Witzes stumpfen sich ab an ihnen; haben Sie noch nicht bemerkt, wie stumpf meine Pfeile geworden sind?«
Sie waren beim Teiche angelangt, sie standen im Schatten hoher Bäume und dichter Gebüsche. Gertrud hatte ihren Sonnenschirm auf die Achsel fallen lassen, er bildete einen lichten Hintergrund
zu ihrem schönen Kopfe, mit den reichen, braunen Haaren, die zusammengewunden einen schweren Knoten im Nacken bildeten. Einzelne von ihnen, dem Zwang entschlüpft, kräuselten sich auf dem Scheitel und an den Schläfen und schimmerten zart und goldig. Sie trug ein schwarzes Morgenkleid, und aus der Tasche guckte grellroth mit goldenem Schnitt ein Elzevirbändchen, auf das Bertram langsam und zagend mit dem Zeigefinger wies:
»Mein gnädigstes Fräulein, ich besorge, Sie lesen meine letzte Novelle.«
»Ja, auf Empfehlung der Tante.«
»Hm! Wenn Sie eine Nichte hätten, würden Sie ihr die Novelle auch empfehlen?«
»Ich weiß noch nicht, ich bin noch nicht sehr weit.«
»O, dann lesen Sie auch nicht weiter! Lernen Sie mich nicht von meiner schlechtesten Seite kennen, von der schriftstellerischen. Ich habe bessere Seiten, ich schwör’s. Damit ist allerdings nicht viel gesagt, denn meine Romane ...« Er blickte ihr fest ins Gesicht, »elend, nicht wahr?« Sie erröthete und wendete sich ab, plötzlich aber wich die leichte
Verlegenheit, von der sie ergriffen worden war, einem heitern, fast übermüthigen Ausdruck: