»Mit welchem Pathos Sie das sagen! Wie Gräfin Orfina.«
»Jetzt aber will ich’s thun und mit dem innigsten Interesse, mit Andacht! Ich bitte um Ihr Manuskript, mein gnädiges Fräulein.«
»Das kann ich Ihnen nicht geben, es existirt nicht mehr.«
»Haben Sie’s vernichtet? Ja? – Ewig schade!«
»Doch nicht: das Manuskript ist fort, der Inhalt ist da. Sie können ihn in Sieglindens Gedichten wiederfinden.«
»So? Schreibt sie ab?«
»Niemals – es fällt ihr eben dasselbe ein: das alte Lied, das in jedem jungen, aufknospenden Herzen erklingt.«
»Ich gäbe alles darum, es von Ihnen singen zu hören.«
»Unmöglich, ich bin keine Dichterin mehr.« Das hatte sie lachend gesagt, wurde aber bald
wieder ernst und vertraute ihm, daß sie das Haus ihrer Verwandten zu verlassen gedenke.