»Wegen Hagens, diesem jungen Laster!« rief Bertram. Sie antwortete nicht, er gerieth in Bestürzung, und Funken tanzten ihm vor den Augen.
»Oder – verzeihen Sie einem ängstlichen, aufgeregten Menschen, den ein Hirngespinnst um den Schlaf bringt, denken Sie vielleicht – nein, Sie denken nicht daran, Frau Meisenmann zu werden?«
»Gewiß nicht,« erwiderte sie, »es ist ja auch undenkbar. Sie finden mich auf dem Wege zur Fischerhütte, da bin ich am frühem Morgen ruhig und ungestört. Ich will an eine alte Frau schreiben, bei der wir gewohnt haben, meine Mutter und ich, die nimmt mich gern wieder auf.«
»Nach Wien also wollen Sie? Und was dort?«
»Eine Stelle suchen oder – mein guter Onkel giebt mir die Mittel dazu,« – wieder flog ein Ausdruck von Heiterkeit wie ein Sonnenstrahl über ihre Züge: »oder eine Nähmaschine kaufen.«
Helllodernde Liebe flammte in Bertram auf
und funkelte ihm aus den Augen – eine andere Sprache fand er nicht; nach einer Pause erst wiederholte er voll des innigsten Mitleids: »Eine Stelle wollen Sie suchen, mein gnädiges Fräulein?«
»Schwer zu finden, ich weiß. Es giebt ja Bonnen, Gouvernanten und Gesellschafterinnen in Hülle und Fülle. Aber ein Mangel herrscht, wie ich höre, an guten Krankenwärterinnen. So gedenke ich mich denn zur Krankenwärterin auszubilden.«
»Dann etablire ich mich im Spital!« rief er aus.
»Sie scherzen –?« fragte Gertrud befremdet: »Mir war mit allem ernst, was ich Ihnen gesagt habe.«