»Im Herbst, denk’ ich.«

»Erst?« Die Gräfin zuckte die Achseln. »Nein, lieber Freund, daß Sie den nicht hinausgeworfen haben, als er sich bei Ihnen um unsere Gertrud bewarb, verzeih’ ich Ihnen nie.«

»Je nun, sie könnt’s schlechter treffen. Er hat sie sehr gern und ist ein guter Mensch.«

»Ein guter Mensch, der Böses thut.«

»Ach was! Deklamirt gegen die Deutschen und gegen die Juden und würde doch keinem ein Haar krümmen.«

»Werden die Leute, die er verhetzt, ebenso platonisch hassen?« fragte Gerhart. »Ich glaube, daß sie sehr aufgelegt sind, zu Knütteln und Beilen zu greifen. Das bedenkt er nicht, der Maulheld, oder macht sich kein Gewissen draus. Ein roher Kerl, der aus eigenster Überzeugung selbst dreinschlägt, ist mir lieber.«

»Mit einem solchen kann ich dir auch aufwarten; hab’ erst neulich meinen Heger vor ihm retten müssen, der ein paar Holzdiebe arretirt hatte und den er dafür zur Rechenschaft zog. Er ist ein ehemaliger Schlossergeselle, zieht hier herum und verbreitet die sozialistischen Lehren auf dem Lande. Ich kenn’ ihn seit Jahren; er war ein tüchtiger Arbeiter, bis er ein Rednertalent in sich entdeckte. Das ist das einzige, das er jetzt ausübt, und wo seine Zunge nicht ausreicht, hilft er mit den Fäusten nach.«

Der Graf führte seine Gäste in den Garten, der hübsch angelegt war, sich aber an Größe und Schönheit mit dem Obositzer nicht vergleichen konnte. Vor zwei Jahren hatte ein Wirbelsturm hier gehaust und die schönsten Bäume ihrer Kronen, viele auch der Hauptäste beraubt.

Bertram wurde immer schweigsamer. Schadenfeuer, Deutschenhaß, sozialistische Agitation, Wirbelsturm – das waren freilich Dinge, an die er nicht gedacht hatte, als er noch in seiner Bratröhre saß und den Aufenthalt auf dem Lande für die reine Idylle hielt.

Aus dem Garten ging man in den Meierhof und in die Stallungen; die Fütterung war vorbei, den Rindern die Streu zum Nachtlager zurecht gemacht, der Boden wurde gekehrt, die Barren wurden gereinigt. Beaufsichtigt oder nicht, verrichteten die Leute emsig und ruhig ihre Arbeit, und Bertram bewunderte die Sauberkeit und Ordnung, die nach vollendetem Tagewerk allenthalben herrschte.