»Die Herren sprechen von Grenzregulirung. Da finden sie kein Ende, und wir wollen nicht auf sie warten. Nehmen sie eine Tasse Thee?« fragte sie.

Aber er wünschte ihrem Beispiel und dem der Kinder zu folgen und bat um ein Glas Milch. »Ich muß wenigstens im kleinen alles Nervenaufregende vermeiden.«

»Wenn Sie das nur auch im großen könnten.«

»Freilich, wenn! Aber Sie wissen, Frau Gräfin, ein Jahr lang muß noch gesündigt werden auf meine Nerven, ein Jahr lang muß ich noch frohnen, widerstrebend, verzweifelnd, aber ich muß!«

»Durchaus?«

»Durchaus. Ich darf meine Zeitung, meine

alte Nährmutter, nicht sitzen lassen. Es wäre eine Treulosigkeit.«

»Dann thun Sie’s nicht,« versetzte die Gräfin rasch. »Wie schwer es Ihnen auch falle, thun Sie’s nicht.«

Er hob den Kopf, den er hatte sinken lassen, und blickte ihr in die Augen. Einen andern Rath, als den, treu zu sein, kann nicht geben, wer so ehrliche Augen hat. Alles echt an der Frau und klar wie der Tag. Wieder kam die Ähnlichkeit zwischen ihr und Gertrud ihm in den Sinn, eine rein geistige Ähnlichkeit. Er konnte nicht umhin, der Gräfin diese überraschende Beobachtung mitzutheilen und ihm schien, als ob ein Lächeln voll gutmüthigen Spottes ihre Lippen umspiele, als sie sprach:

»Mein Mann hat mir schon gesagt, daß Sie das finden.« Dabei blickte sie ihm fest und freundlich ins Gesicht, und schon war er im Begriff sein Herz vor ihr auszuschütten, als Weißenberg und Gerhart eintraten.