Augen emporsah und jeden Augenblick bereit schien, in ein Geheul auszubrechen.

O du dummes Kind! dachte Bertram.

Er hörte nun, daß der Junge, der sein kleines Schwesterchen trug – sie hatten es nach hiesiger Sitte mit einem Tuch an seinen Hals festgebunden – vor Gertrud hergelaufen war, als sie von ihrer Pflegebefohlenen zurückkehrte. Plötzlich glitt er aus und fiel und konnte nicht aufstehen, ehe sie ihm zu Hülfe kam.

»Und nun muß man ihn nach Hause tragen,« sagte sie, »seine Eltern sind im Meierhof bedienstet. Er hat sich weh gethan, kann nicht gehen, sehen Sie nur, sein Knie blutet, bitte, heben Sie ihn auf.«

Bertram war betreten: »Ich habe noch nie ein Kind aufgehoben,« sagte er.

»So will ich’s thun, übernehmen einstweilen Sie das Kleine.«

Ihn überfiel ein Grauen: »Da nehme ich doch lieber den Buben,« erwiderte er, beugte sich nieder und hob ihn in die Höhe, und das Knäblein schrie wie am Spieße und schlug mit den Füßen und

Fäusten gegen ihn. »Gebrochen hat er sich wenigstens nichts,« sprach Bertram beruhigend.

Plötzlich und mit merkwürdig kräftiger Stimme, fiel das Baby ins Gezeter des Bruders ein. Unter schmetternder Vokalbegleitung zogen Herr Vogel und Fräulein von Weißenberg in den Hof und erregten die Heiterkeit aller, denen sie begegneten. Zwei junge Mägde standen vor dem Thor des Kuhstalles; Gertrud richtete in gebrochenem Czechisch eine Bitte an sie und deutete dabei nach der Wohnung der Meierknechte. Aber die Angeredeten schüttelten die Köpfe und wiesen mit ausgestreckten Fingern auf ein dürres, schiefgewachsenes Weib, das jetzt von der andern Seite des Hofes herübergestoben kam.

»Das wird wohl die Mutter sein,« sagte Gertrud.