Megärenhaft drohend war die Frau der Gruppe am Stallthor zugeeilt und übergoß das betroffene Menschenpaar, das ihre kreischenden Sprößlinge in den Armen trug, mit einem Schwall von Verwünschungen. Sie schien Rechenschaft von den beiden zu fordern, Antwort zu heischen. Eben so

gut wie mit ihr hätte man sich aber mit dem Rheinfall in eine Kontroverse einlassen können. Sie befreite zuerst Bertram von seiner Bürde, indem sie ihm den Buben entriß und ihn so jäh und heftig auf den Boden stellte, als ob sie ihn hineinstoßen wollte, legte ihm eine Hand auf den Scheitel und drehte ihn mit der andern an der Schulter einige Mal wie einen Kreisel um seine eigne Achse.

Er war plötzlich verstummt und ließ sich das rauhe, mütterliche Verfahren lautlos gefallen. Mit bedenklichem Kopfschütteln, aber sichtlich enttäuscht, schob das Weib ihn hinweg, trat auf Gertrud zu und nahm ihr das Kindlein vom Arm. Es hörte alsbald zu weinen auf und jauchzte und strampelte seiner Mutter entgegen. Sie blickte mit boshaftem Triumph um sich, lauter und lauter erscholl ihr Geschrei, und wenn ihre Worte für Gertrud und Bertram auch unverständlich blieben, deutlich sprachen ihre wild anklagenden Gebärden, ihr leidenschaftlicher Ton: Seht, seht, das Kind athmet auf, ich hab’s von seinen Peinigern erlöst. Die Mägde lehnten am Thürpfosten, zwinkerten ihr zu und machten sich ein Vergnügen daraus, durch eine Bemerkung,

ein Auflachen, Öl ins Feuer ihres zu gießen.

»Ich bitte Sie,« sprach Gertrud, »schenken Sie ihr etwas, ich habe nichts mehr bei mir. Sie führt diese ganze Szene nur auf, weil sie etwas geschenkt haben will.«

»Entschuldigen Sie, gnädiges Fräulein,« erwiderte Bertram, »ein so nichtsnutziges Vorgehen darf man nicht belohnen.« Stark wie ein Löwe kam er sich vor, weil er vermochte, der Vielgeliebten eine Bitte abzuschlagen. Er wendete sich und rief dem kreischenden Weibe mit Entschlossenheit das zweite czechische Wort, das er wußte, zu: »Ne! Ne!«

Dann wurde der Rückzug angetreten, aber langsam, um ihm jeden Anschein von Flucht zu nehmen. Gertrud hatte ihren Gleichmuth gewahrt, Bertram war tief gebeugt:

»Diese fürchterliche Person scheint zu glauben,« sagte er, »daß wir ihre Kinder überfallen und mißhandelt haben und sie ihr meuchlings hinlegen wollten, wie der grimme Hagen den erschlagenen Siegfried.«

»Gott behüt’s, sie glaubt nicht das geringste

Böse, sie wollte uns nur eine unangenehme Komödie vorspielen und Geld bekommen – für’s Aufhören.«