»Welche Frage! Was Sie die neue nennen, ist mein Ausgangspunkt, ist das, wozu ich mich als Knabe schon berufen fühlte, nach dem ich mich als Mann heiß gesehnt habe. Eine Heimkehr wird es sein, die ich hier, einlaufend wie in den Hafen, feiern werde. Dort draußen war ich bloß ein schwaches Echo aller Stimmen in der modernen Litteratur, ein venetianischer Löwenrachen, eine Art Dinoysiusohr.«

Gertrud unterbrach ihn lachend: »Was nicht alles noch?«

»Verstehen Sie mich, ich will sagen, ich war nichts und gebe nichts auf ... Aber denken Sie an Shakespeare, der sich in Fülle der Kraft schaffens- und ruhmesmüde nach seinem Stratford zurückgezogen hat und wieder Landmann und Jäger geworden ist. Und ich armseliger Skribler sollte

Sehnsucht empfinden nach meiner jämmerlichen Frohnarbeit?«

Sie waren aus dem Bereich der kleinen Seen, die sich auf der Straße zu bilden begannen, in den Schutz des Gartens gelangt. Ganz nahe dem Eingang breitete ein blüthenbedeckter Tulpenbaum sein dichtes Gezweig über eine Bank, die seinen Stamm umschloß. Bertram und Gertrud traten unter die grüne Kuppel und standen eine Weile schweigend vor einander. Er versank in ihren Anblick. Sie war herzbezwingend in ihrer ruhigen Anmuth, ihrer edlen Gelassenheit.

»Krankenwärterin also,« sagte er auf einmal ganz unmotivirt. »Und Sie wollen natürlich viele Patienten pflegen, mein gnädiges Fräulein ... Aber entschuldigen Sie! ich sage immer ‘mein Fräulein,’ statt Ihnen den Titel zu geben, der Ihnen gebührt.«

»Dafür habe ich Ihnen von Anfang an gedankt.«

»Um so besser. Ich weiß freilich keinen so hold und adelig wie die Verkleinerung des schönsten deutschen Wortes: Frau, Herrin, Gebieterin.

Fraue mein! wer das sagen darf zu der Geliebten, was bleibt dem zu wünschen übrig, was kann das Schicksal ihm anhaben? Und wenn ihm sein Haus über den Kopf angezündet wird, und wenn ihn die Sozialisten um Hab und Gut bringen und wenn er für einen Vivisector kleiner Kinder gehalten wird, er trägt’s, er bleibt aufrecht, was soll ihn beugen, so lange sie in Treuen zu ihm steht? Fraue mein! ... ich will sagen, mein Fräulein, mein gnädiges ...«

Er hielt inne, er zitterte am ganzen Leibe: »Setzen wir uns,« sagte er. Und sie setzten sich neben einander auf die Bank; er warf seinen Hut ins Gras und lehnte den Kopf an den Stamm des Baumes.