»Viele Patienten, ja, ja. Einen einzigen zu pflegen, einen unerträglichen, nervösen Menschen, der sein eigentliches Selbst verloren hat und erst wiederfinden muß, zur Vernunft bringen, ihm helfen, seinen Frieden wiedergewinnen, die Aufgabe wäre Ihnen zu gering?«
»Sie ist nicht gering. Es ist eine schöne Aufgabe.«
»O, wäre sie’s! Dann wäre sie ja Ihrer würdig ... und Sie könnten sich entschließen, sie zu übernehmen, es wenigstens zu versuchen?«
»Versuchen? ja – vielleicht.«
Ein unaussprechliches, ein kindisches Entzücken erfaßte ihn: »Wissen Sie, was Sie sagen? Wissen Sie, daß in dem Falle ein Versuch schon das Gelingen und himmlische Gewißheit ist?... Antworten Sie mir ... oder nein, antworten Sie nicht, erwägen Sie! Das Leben, das ich Ihnen zu bieten habe, ist ernst und arbeitsvoll ...«
»Hab’ ich je Anspruch auf ein anderes gemacht?« unterbrach sie ihn. »War ich nicht darauf gefaßt, meinen Weg durch dieses ernste Leben allein zu gehen?«
»Und wenn sich nun ein Gefährte findet, der Sie beschwört, lassen Sie uns miteinander wandern, lassen Sie uns fest und treu zusammenhalten« – er machte eine jähe Bewegung, als ob er auf das Knie sinken wollte.
»Nicht knieen,« flüsterte sie, »nicht auf dem feuchten Boden knieen!«
Aber da lag er schon zu ihren Füßen: »Doch,
doch! so muß ich Ihnen in Demuth gestehen, daß ich Sie liebe, Sie geliebt habe vom ersten Augenblick an.«