»Und ich – wenn ich denke – ich habe Sie gefürchtet.«

»Gertrud!« Er nahm ihre Hände und preßte sie an seine Lippen: »Fraue mein, darf ich Sie so nennen? O Gertrud, welche Wonne, welche Wohlthat!«

Sie beugte sich über ihn und drückte mit scheuer Zärtlichkeit die Wange auf seinen Scheitel: »Sagen Sie doch nicht Wohlthat, ich habe Sie ja von Herzen lieb.«

»Ist das möglich? wirklich möglich?«

»Es ist. Ich kenne Sie erst seit kurzer Zeit, und doch kommt mir vor, als hätte ich Sie schon lang sehr lieb.«

»Wie lang?«

»Seitdem ich aufgehört habe, Sie zu fürchten ... oder vielleicht sogar schon etwas früher ...«

»Früher? trotz der Furcht?«

»Trotz der Furcht, und wahrscheinlich auch vom ersten Augenblick an.«

»Ihr Ernst? Gertrud, Sie Wunderbare, ich muß es glauben, wenn ich weiterleben soll – aber lehren Sie mich es glauben. Daß ich nur Vogel heiße, macht Ihnen das nichts? ... Und,« er fuhr erschrocken mit der Hand nach seinem Kopfe, »daß ich eine Glatze habe, macht Ihnen das auch nichts?«