»Gar nichts,« erwiderte sie und lächelte ihn an, freundlich, zutraulich, liebreich.

Glückstrahlend sah er zu ihr empor, sprang auf, setzte sich wieder an ihre Seite, schlang den Arm um sie und sprach, sprach sehr viel und nicht ein gescheites Wort und gab sich davon gar keine Rechenschaft. Er hatte vergessen, wonnig vergessen, daß es je sein Metier gewesen war, geistreich zu sein.

Sie fand das nicht lächerlich, es rührte sie. Dann erzählten sie einander ihre Lebensgeschichte, und das Schönste war, daß sie keine hatte, oder doch nur eine, deren Inhalt sich in zwei Sätze fassen ließ: Ich habe kränkliche Eltern gepflegt. Ich habe standesgemäß gedarbt von Jugend auf.

Und die seine?

So streng er sein Gewissen erforschte, so sehr

ihm daran lag, der Geliebten ein wahres und nicht ein geschmeicheltes Bild von sich zu entwerfen, er mußte seiner milden Richterin zugeben, daß er im Leben mehr Plage als Genuß gehabt und mehr gelitten als gesündigt hatte.

Sie hörte ihm teilnehmend zu und fand eine Entschuldigung für jede seiner Selbstanklagen. Und er war ein stolzer, glückseliger Mann, küßte sie und hielt sie in seinen Armen wie ein Heiligthum.

Der Regen hatte ein wenig nachgelassen; von den kleinen Zweigen, aus den Tulpenkelchen fielen einzelne, helle Regentropfen schwer zu Boden. In dem Wipfel des Baumes ließ ein sanftes, wohliges Rauschen sich vernehmen, als wüßte der Alte, daß er zwei glückliche Menschen unter seinem mächtigen Gezweige barg.


Bertram und Gertrud traten in das Zimmer Weißenbergs. Sie hatte sich Zeit genommen, ihren Hut und ihren Mantel abzulegen, er brachte den Regen des Himmels auf seinen Kleidern mit.