Die Baronin hüllte ihren Gatten in einen Blick voll Zärtlichkeit und sprach: »Du willst sagen, Hugo: das Geheimniß war begraben in der Brust des Freundes, aber nicht einmal den Schatten eines todten Geheimnisses konnten die beiden zwischen einander dulden.«
»So ist es, sie spricht gut, die Tante,« sagte der Baron etwas kleinmüthig zu Gertrud, und diese ergriff seine Hand und küßte sie rascher, als er’s wehren konnte.
»Wir verstehen dich aber doch und lieben dich, Onkel Weißenberg.«
»Und auch mich?« fragte die Baronin und machte ihrerseits Anstalt, die Arme auszubreiten – aber gegen Bertram.
»O gnädigste Frau!«
»Sage Tante, mein Neffe Vogelweid.«
Und nun kam es zu mehreren Umarmungen.
»Rührstück, fünfter Aufzug, letzte Szene,« ließ eine schrille Stimme sich vernehmen. Hagen, gefolgt
von Sieglinde, war eingetreten. Er warf einen kurzen Blick auf Bertram, der Gertrud an seine Brust gezogen hatte und prallte zurück. In der nächsten Sekunde aber schon wurde er seiner Bewegung Herr und sprach kalt und höhnisch: »Der reine Kotzebue, wir verschimmeln hier.«
In einem Tone, so streng, wie er ihn dem Liebling gegenüber noch nie angeschlagen hatte, versetzte Weißenberg: