»Du wenigstens nicht. Du kommst fort aus dem Elternhause, du kommst nach Wien.«
»Nach Wien?« Die Wangen des Jünglings flammten in freudiger Röthe auf; alsbald jedoch kam der Skeptiker wieder zum Vorschein: »Nach Wien, das geschieht nicht, das wäre zu gescheit.«
»Mama!« rief Sieglinde weinerlich, »hörst du? er fährt nach Wien, und ich kann hier sitzen bleiben, an mich denkt niemand.«
»Es bildet ein Talent sich in der Stille, junge Dichterin,« tröstete Bertram. »Sie bleiben, um in Erwartung des eigenen Glückes das unsere zu besingen.«
Sieglinde lächelte unter Thränen. Daß der
strenge Kritiker sie Dichterin nannte, war ein heilendes Pflaster auf die Wunde, die man ihr durch eine vermeintliche Zurücksetzung geschlagen hatte.
Am Mittagstische fehlte Herr Meisenmann. Die Baronin deutete auf seinen leeren Platz und sprach:
»Der Professor läßt sich entschuldigen, er ist zu Schiff – nach Böhmen.«
Beim Dessert eine neue Überraschung, ein Telegramm für Herrn Vogel. Er erbat von der Hausfrau die Erlaubniß, es zu lesen. Es lautete:
Artemis Wassiljewna Tschertschaptschikow, Gutsbesitzerin, Just Carolus, Schriftsteller, empfehlen sich als Verlobte.