Minutenlang ließ man ihn heute vor der Thür warten. Er läutete mehrere Male diskret und geduldig nach entsprechenden Zwischenpausen. Ihm kam vor, als ob er in der Küche flüstern, leise Schritte über die Steinplatten gleiten hörte, als ob eine Thür möglichst geräuschlos geöffnet und wieder geschlossen würde.
Endlich hob sich der Zipfel des weißen Vorhanges. Die Dienerin erschien am Fenster und fuhr beim Anblick Brand’s erschrocken zurück.
»Was ist? was giebt’s? Machen Sie doch auf!« rief er laut und beunruhigt.
Noch eine Weile zögerte sie, öffnete aber endlich doch und stand vor dem Eintretenden, sie die brave, in Ehren ergraute Magd, verwirrt, mit unstät flackernden Blicken, mit glühenden Wangen,
ein Bild des schlechten Gewissens. »Niemand zu Hause,« stotterte sie und sah dabei schief und verstört nach einem Gegenstande hinüber, der auf dem Küchenbrette lag neben einem kleinen Krater aus Mehl, in den sie ein Eigelb eingebettet hatte. Dieser Gegenstand war eine Zehnguldennote.
»Sie lügen schlecht,« sprach Brand. »Ja, was Hänschen nicht lernt, meine liebe ... Darf ich um Ihren werthen Namen bitten?«
»Pauline, zu dienen.«
»Meine liebe Pauline. Die gnädige Frau mag nicht zu Hause sein, aber jemand Anderer ist da bei Ihnen. O, Pauline, in Ihrem – ich will sagen in unserem Alter – in Abwesenheit der gnädigen Frau, und mitten im Kochen!«
»Herr Rittmeister, Jesus Maria, was glauben Sie von mir? Ich weiß nicht, was ich thun soll, ich weiß nicht, was ich sagen soll ...«
»Die Wahrheit, Pauline. Wer ist da, wen verstecken Sie?«