die frische Luft zu setzen,« sprach Brand ernst und nachdrücklich.

»Wenn er nur g’setzt ist, wenn’s ’n nur obg’schofft hob’n. Wie S’n obg’schofft hob’n« – sie fuhr mit dem Arme durch die Luft, als ob sie etwas Schweres bei Seite bringen und für immer begraben wollte, und legte dann betheuernd ihre Rechte auf die Brust: »Dös bleibt bei mir!«

XVI.

Die ganze folgende Woche hindurch kam Brand regelmäßig, um Georg abzuholen. Er übernahm ihn am Morgen an der Thür und gab ihn Abends an der Thür wieder ab. Der Kleine kehrte täglich mit einem größeren Wiesen- und Waldblumenstrauß heim, und auch täglich munterer, mit frischeren Augen, rosig angehauchten Wangen.

Das Porträt, das er an jenem Tage, an dem die Anwesenheit Brand’s seinen Unmuth erregt, in die tiefste Tiefe des Malkastens verbannt hatte,

kam wieder zum Vorschein; Georg strichelte so lange daran, bis der Kopf und der geheimnißvolle Hintergrund, von dem man nicht wußte, ob er einen Gewitterhimmel mit Geisterschlacht, oder ganz einfach die Zimmerwand vorstellen sollte, ganz schwarz wurden. Aber Ähnlichkeit mit einem ins Mohrenhafte übersetzten Dietrich Brand war da, und nach einiger Zeit befestigte der Knabe das Bild an der Wand neben seinem Bette und schlief unter den rabendunkeln Augen des neuen Freundes ein. Freilich nur, um bald wieder zu erwachen. Ruhiger, gesunder Schlaf wollte sich weniger als je einfinden. In seinen Träumen setzte Georg die Wanderungen mit dem »Herrn Rittmeister« fort, lachte laut über die tollen Sprünge eines aufgescheuchten Häsleins, fuhr auf mit einem gellenden Schrei, weil er eine Schlange heranschleichen und sich ringeln sah auf seiner Bettdecke. Kaum beschwichtigt und wieder eingeschlummert, übte er im Schlafe seine neueste Kunst, ahmte den Schlag der Nachtigall nach, den Sang der Drossel, das zierliche Gezwitscher der Meise. Es klang eigen, lieblich und unheimlich zugleich, und Sophie fragte

sich, ob ihrem armen Kinde auch die Freude, die es jetzt genoß, zum Unsegen werden sollte.

Die Bedenkzeit war um; am achten Tage kam Sophie selbst, den Touristen die Thür zu öffnen und Brand fragte:

»Was werden Sie beschließen?«

»Ich habe schon beschlossen, ich habe heute mein Amt angetreten.«