Der Chef stand vor dem Pulte, auf dem das Hauptbuch aufgeschlagen war und beschäftigte sich damit, seine Ringe von einem Finger auf den andern zu stecken und gründlich zu erwägen, auf welchem sie den schönsten Effekt machten.

Brand kam mit sozusagen knirschenden Schritten auf ihn zu, bestellte die Botschaft Madame Amélies und gab die Erklärung ab: »Auch wenn Ihre Frau Gemahlin mich nicht dazu aufgefordert hätte, wäre ich gekommen, um Ihnen zu sagen: Was ich thun konnte, um Sie in das Nichts zurückzustoßen, aus dem eine Ihnen tausendfach überlegene Frau Sie in unbegreiflicher Verblendung gerissen hat, das habe ich gethan.«

Weiß war anfangs äußerst betroffen und rathlos gewesen, sammelte sich aber allmählich und suchte dem unerwarteten Angriff zu begegnen: »Zu gütig, zu viel Ehre für uns. Inkommodiren sich ... mischen sich in unsere kleinen ehelichen Zwistigkeiten.«

»Sie haben mich mißverstanden,« versetzte Brand. »Von kleinen Zwistigkeiten ist nicht die Rede. Ihre Frau trennt sich von Ihnen, sie reist, sie begiebt sich nach Paris, in den Schutz ihrer Familie.«

»So, sie reist? Allein, die Arme?« Eduard steckte seine Ringe definitiv auf den kleinen Finger der linken Hand. Er war in den Wiederbesitz seiner ganzen Dreistigkeit gelangt, hatte die Rolle gefunden, die er heute dem »alten Hofmeister Brand« gegenüber spielen wollte, die des vielerfahrenen Weltmanns. »Wird eine traurige Reise sein,« sagte er und stieß einen leichten Seufzer durch die Nase aus.

»Und ein trauriges Zurückbleiben für Sie.«

»Vielleicht auch nicht. Wenn aber – kann ich ja nachreisen. Kenne Paris noch nicht, sehe mir’s vielleicht an – zur Abwechslung. Wir Männer lieben die Abwechslung, sind einmal auf den Wechsel gestellt ... nicht alle. Es giebt auch Ausnahmen, zum Beispiel Sie. Sie sind für die Tugend, für das Väterliche.«

Er bebte zurück vor dem Blick, den Brand

auf ihn richtete; er wich aus, als dieser sich ihm um einen Schritt näherte, aber seine aufgestachelte Frechheit errang doch den Sieg über seine Feigheit: »Seien Sie, wofür Sie wollen und thun Sie nach Ihrem Belieben, Herr Rittmeister, ich thu’ nach dem meinen.« Seine Stimme wurde immer sicherer, die Finger der ausgestreckten Hand spielten nachlässig mit dem Drücker der elektrischen Glocke, die auf dem Schreibtische stand – eine Bewegung, und Hülfe war da. Herr Weiß durfte viel wagen, er war in guter Hut.

So fuhr er denn, seine Worte manchmal gewaltsam hervorstoßend, fort: »Jedes Thierel hat sein Manierel, heißt’s im Sprichwort: Das vergessen Sie immer, Sie möchten den Katzen Flügel und den Vögeln Pfoten anerziehn. Lassen Sie das bleiben, Herr Rittmeister, Sie plagen sich und ändern doch nichts, lassen Sie die Katzen ungeschoren laufen und die Vögel ungeschoren fliegen.«