»Herr,« erwiderte Brand, »die beklagenswerthe Thatsache, daß es unverbesserliche Hallunken giebt, erschüttert mir nicht den Glauben an die Macht der Erziehung.«
Er sprach diese Worte ganz ruhig, er wunderte sich selbst, wie ruhig er geworden war und jetzt seiner Wege ging.
Da hatte er wieder eine Lektion bekommen: »Laß ihn, den Armen,« sagte sein kleiner, lieber Junge. »Lassen Sie mich ungeschoren, Sie ändern doch nichts an mir,« sagte Herr Eduard. Kam das nicht auf Eins heraus? War es nicht dasselbe?
Dasselbe und nicht dasselbe, es ist ein Unterschied in der Qualität, wie ein Unterschied ist zwischen dem Nichtwissen des Philosophen und der Unwissenheit des Laffen, zwischen dem in ringender Qual geborenen Unglauben des Denkers, und dem frechen Annichtsglauben des Galgenstricks.
XVII.
Die Zeit, in der geschienen hatte, daß die Gesundheit Georgs sich stärke, kindliche Lebenslust in ihm erwache, war vorbei. Er sank wieder zurück in die frühere, stille, wehmüthige Niedergeschlagenheit. Schlaf- und ruhelos bei Nacht, stand er nach kurzem Morgenschlummer auf, um bald in ein
traumseliges Hindämmern zu gerathen, das ihm wohl that, aus dem er sich aber oft gewaltsam aufraffte oder aufzuraffen suchte. Er litt nicht, er sprach nie einen Wunsch aus, er lächelte, wenn Jemand sagte, er sei krank. Ach nein, er war nicht krank, ihm fehlte nichts, er war auch ganz glücklich, er war nur müd’, sehr müd’.
Einige Male hatte Brand den Nachmittag mit ihm in Neuwaldegg zugebracht, zum Entzücken des kleinen Dietrich Peters. Wenn der hörte: Der Herr Rittmeister kommt, war er vom Gartenthor nicht fortzubringen, preßte sein Gesichtchen an die Eisenstäbe und schien durch die Kraft, mit der er’s that, die Kraft seiner Sehnsucht ausdrücken zu wollen. Sobald er Brand von Weitem erblickte, schrie er auf und rief in allen Tönen der Zärtlichkeit – jauchzend, jubelnd, in Rührung hinschmelzend: »Mein Jittmeiste! Mein He Jittmeiste!«
Und dem einsamen Manne, der eine unerwiderte Liebe im Herzen trug, that die anbetende und äußerungsbedürftige Liebe dieses Kindes wohl.
Auch der immer freundliche, immer nachgiebige Georg wurde von Peter Peters’ warmfühlendem